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Altsächsische Geschichten – 3 – St.-Tropez auf Norderkoog – Hauke, der Chauke

St.-Tropez auf Norderkoog – 1 Hauke, der Chauke  ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​ ​​​​ von Gerald

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Mitte/Ende des fünften Jahrhunderts. Schwer ächzte der Ochsenkarren über die Sandbahn Richtung Norden. Merc der Händler aus den fränkischen Rheinlanden ist schon früh am Morgen von der Raststätte Saxhalla in Geeststedt weitergezogen, um am Ende des Tages sein Reiseziel Norderkoog (am chaukischen Meer – fiktiver Name für die damalige Nordsee, Norderkoog soll der „Vorläufer“ von Cuxhaven sein) zu erreichen.

 ​​ ​​ ​​​​ Als fahrender Händler auf dem Ochsenkarren war Merc ungewöhnlich drahtig. Sein langes, dünnes, blondes Haar hatte er am Hinterkopf zu einem Zopf zusammengebunden und trug darüber eine Filzkappe in der gleichen, dunkelgrünen Farbe wie seine Tunika. Dazu ein dunkelbrauner Riemen und eine dunkelbraune Hose. Alles aus dünnem Filz, nur der Riemen war aus kräftigerem Wollgarn.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Hinter sich konnte er ein heftiges, schnelles, rhythmisches Atmen hören, das sich rasch näherte.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Ein Läufer mit einer Frame (germanischer Speer) überholte Mercs Ochsenkarren.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die Frame ließ der Renner wie ein Kontergewicht am rechten, hängenden Arm mitschwingen, um nicht zu viel Kraft zu vergeuden. In der Linken hielt er seinen Umhang, damit er nicht beim Laufen stört. Sein sehniger, freier Oberkörper glänzte ein wenig in der Morgensonne. Durch den Gegenwind beim Laufen und die kühlende Nähe des breiten Flusses auf der linken Seite schwitzte er aber nicht.

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Bild oben: Karte vom „nassen Dreieck“ mit dem chaukischen Meer (Nordsee), der Elv (Elbe), Norderkoog (Cuxhaven) und der Wersau (Weser). Links Wasser, rechts Wasser, im Norden Wasser (das Meer), von unten Wasser (viel Moore), von oben Wasser (Regen) und zum Süden läuft nichts ab (höher gelegen). Dazu regelmäßige Fluten und ab und an auch mal eine Sturmflut – fertig ist die Grundlage antiker Schauermärchen für römische Weicheier. Das schonte aber nicht vor imperialer Ausbeutung. Ehrensache, dass auch zurück gebeutet wurde.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Mit einer unbeschwerten Leichtigkeit überholte er den Ochsenkarren auf der linken Seite, wie es sich auf der F6 von Rechts wegen auch so gehörte. Die F6 ist hier eine unbefestigte Sandbahn. Sie verbindet schon seit Urzeiten das Landesinnere mit dem Chaukischen Meer und wurde gerne von Händlern genutzt und von anderen Reisenden, die ihre Bootsfahrkarte für die Wersau (fiktiver alter Name für den Fluss Weser - Anmerkung des Verfassers) verlegt hatten oder sich schlichtweg keine leisten konnten.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Hej!“ rief Merc dem Läufer zu, „Wohin so schnell? Setz dich doch zu mir auf den Karren, dann hast du es leichter und ich habe Gesellschaft. Ich bin nämlich fremd hier und auf dem Weg nach Norderkoog“.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Den Rennenden durchfuhr bei „Norderkoog“ ein Ruck. Er blieb abrupt stehen. Sein kurzes, blondes Haar mit einem ordentlichen Rotstich glühte regelrecht im Schein der aufgehenden Sonne. Der Westwind wehte eine frische Brise über den breiten Fluss auf die F6 und kühlte den durchtrainierten Leib des Läufers. Sein borstiges Haar blieb von dem Wind unbeeindruckt, im Gegensatz zu dem Laub der kurzgewachsenen Eichen und jungen Birken am Wegesrand, die sich mit kleinen Kiefern den Lebensraum links und rechts der F6 teilten.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Der Läufer drehte sich um und Merc erkannte ein freundliches, schmales Gesicht mit großen Sommersprossen und einem breiten Grinsen. Dieses Grienen soll wohl die Fahrkarte für die Mitnahme sein, dachte sich Merc.

Bild oben: Bei einem Koog handelt es sich um ein Stück fruchtbares Marschland, das mehr oder weniger kreisrund eingedeicht wurde, um die darin befindliche Feldfrucht zu schützen und den Bewohnern die Ernährung zu sichern. Er ist quasi der Vorläufer zu den langen Deichanlagen, wie sie später entstanden. Sieht von oben fast aus, wie eine Pizza oder ein Pfannkuchen, nicht?

Der Goldschopf atmete ein paar Mal kräftig durch, stützte sich auf seiner Frame ab, holte tief Luft und sprach:

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Hej, ich bin Hauke und – jouh, ich will auch nach Norderkoog, denn ich lebe dort in der Nähe.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Steig auf, mach‘ es dir bequem,“ forderte Merc den bewaffneten Renner auf, „die Frame kannst du unter den Zurrriemen schieben, dann fällt sie nicht runter und du hast die Hände frei.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Gesagt, getan, dann kletterte Hauke behende auf den Karren und nahm schwungvoll neben Merc Platz.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Ich heiße Merc, bin Händler und geschäftlich unterwegs nach Norderkoog,“ sprach Merc und wies mit dem Daumen hinter sich auf die Ladung „Peplos (Kleider), Glasperlen und Sandalen.“ Merc hielt Hauke die Hand hin.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Hauke ergriff und schüttelte sie. Wieder ein breites Grinsen in seinem Gesicht: „Für die Mädels in Norderkoog?“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Merc nickte: „Soll sich lohnen, habe ich gehört. Mal schauen.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Lohnen wird sich das bestimmt,“ entgegnete ihm Hauke, „du wirst sehr gefragt sein.“ Sein breites Grinsen wurde etwas schelmischer.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Merc wurde schnell klar, dass er es hier mit einem ausgefuchsten Lokalmatadoren zu tun hatte.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Wie heißt denn der Strom hier zur Linken?“ frug Merc

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Das ist die Wersau“, antwortete Hauke mit seinem typischen Grinsen.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Wer Sau, wie Sau, was für eine Sau?“ frug Merc mit gespielter Ernsthaftigkeit.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Wers – au, nicht Wer – sau. Die meisten hier sprechen es aber so aus, weil es so flüssiger über die Zunge kommt. Ganz je nachdem, wo du gerade bist, wird es auch anders ausgesprochen. Die einen sagen Weser, ein Dorf weiter Wersern, im nächsten dann Wersera, Wisura und so weiter. Hat also nichts mit Schweinen zu tun.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Noch grinste Hauke. Hinter seinem Blick verbarg sich aber ein unterschwelliger Anflug von Wut, vermeinte Merc wahrzunehmen. Also: Vorsicht!

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Jo, verstehe,“ antwortete Merc, „Au wie bei uns -ah, -ach oder -bach für ein fließendes Gewässer. Sowas will ich als Handlungsreisender natürlich wissen, um die Gegend besser zu verstehen, die ich durchreise oder wo ich meine Waren verkaufen will.“ Jetzt nur nicht weiter in die Tiefe gehen, sonst explodiert er womöglich noch,“ dachte Merc in sich hinein und wartete den weiteren Gesprächsverlauf ab. Kleine Schweißperlchen bildeten sich auf Mercs Haut.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „-a oder -ahe heißt es bei uns manchmal auch, führte Hauke das Gespräch weiter, „Was Wers oder Wes heißt, weiß ich aber nicht. Aber: panta rhei, alles fließt.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Du kannst Griechisch?“ frug Merc?

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Nej,“ winkte Hauke ab, „hab‘ ich nur öfters von einem älteren Freund gehört. Der ist nämlich ganz schön rumgekommen, war Haussklave in Rom und für die Abfallentsorgung zuständig. Den meisten Dreck musste er aus der Küche holen, wo die griechischen Sklaven für die Essenszubereitung zuständig waren und über die Götter und die Welt und den Sinn des Lebens philosophierten. Wenn deshalb mal das Essen versalzen war: „panta rhei,“ wenn es dafür Peitschenhiebe gab: „panta rhei,“ wenn dich die Katze der Herrschaft kratzt: „panta rhei.“ Das hatte er sich gemerkt. Es ist ja wie es ist und alles fließt – so wie dieser Strom, der hier übrigens seinen Übergang in die See der Chauken hat und deshalb so breit ist.“

Bild oben: Schild der zentralrömischen Taverne „panta rhei“, verballhornt zu „panta dei“. Dort kehrte die Sklavenelite zu dionysischen Gelagen ein, um der rauen Wirklichkeit zu entgehen, den Göttern näher zu sein und es richtig fließen zu lassen. Ob auch Haukes Kumpel dort seinen Verstand versoff?

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Tief bewegt von diesen Worten nickte Merc anerkennend und frug Hauke zu Norderkoog aus. So erfuhr er, dass bei Norderkoog die Wersau vollständig in die chaukische See mündet und sie dort auf die Alba oder Aelf trifft, einen Strom, der von Südosten dort ebenfalls in’s Meer fließt.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Ein Koog wäre eingedeichtes fruchtbares Land, das so vor den salzigen Hochwassern der See geschützt ist, erfuhr Merc weiterhin. Auch, dass an diesem Koog im Norden ein großer Hafen wäre, an dem Schiffe von überall her anlegten. Als Händler war ihm diese Information natürlich besonders wichtig und in ihm stieg schon die Vorfreude auf Norderkoog auf.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die beiden fuhren weiter ihres Weges, hatten viel Spaß und erzählten einander eine ganze Menge an Flunkereien. So erzählte Hauke unter anderem, dass sie hier alle so gut kochen könnten und sich daher ihr Name ableitet - Chauken wären also die Köche. Aus diesem Grunde würden ihre Heiligtümer auch pizzaförmig sein und die Haferpizza wäre ihre Kultmahlzeit zu den Jahreskreisfesten.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Merc konterte damit, dass er als Ripuarier immer gegrillte Rippchen zu den Festtagen essen müsste und dass es bei ihnen verpflichtendes männliches Brauchtum wäre, frank und frei durch die Welt zu ziehen, um Handel zu betreiben.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Hauke frug, ob Merc denn wohl verheiratet sei.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Merc nickte.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Wortlos fuhren sie weiter in Richtung Norden. Panta rhei.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ An dieser Stelle findet es der Verfasser dieser satirischen Kurzgeschichte sinnhaft, etwas aufzuklären. Und zwar gibt es den griechischen Ausspruch „panta rhei“ wirklich und wird allgemein auf den vorsokratischen, griechischen Philosophen Heraklit zurückgeführt. Die Chauken (mit „ch“ wie in „ich“ am Anfang, so wie bei den Cheruskern) sind nach dem Kenntnisstand des Autoren „die Hohen“ und seien „chabukoz, „die Habichte“. Bei Habichten handelt es sich um majestätische, wendige Ansitzgreifvögel mit scharfen Augen, die alles im Blick haben, um im rechten Augenblick zuzuschlagen. Bei der Beschreibung möchte doch wohl jeder, der was auf sich hält, ein Habicht sein, oder?

Bild oben . Seltenerer Anblick von einem Habicht im Flug (wird meistens mit einem Bussard verwechselt), Quelle Wikimedia Commons mons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79329823

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Nach einer Weile wurde es unserem ständig grinsenden Hauke zu langweilig im Dachgebälk und er wies auf eine freie Fläche zwischen den Bäumen am Wegesrand: „Siehst du diese kahle Stelle?“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Jouh“, antwortete Merc, trübseelig auf dem Sitzbock des Karrens schaukelnd, „was’n da?“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Vor ein paar Jahren bin ich hier längs und hatte dort hin gepieselt. Jetzt wächst da nichts mehr.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Dat iis ja gaa nix, reagierte Merc darauf, „als fahrender Händler kann ich mich fast an jede Stelle erinnern, wo ich mich unbeobachtet erleichtern konnte. Daher weiß ich, dass da nun tiefe Krater sind, die sich zum Teil mit Wasser gefüllt haben. Wenn Du also mal’n Tümpel am Wegesrand siehst: nicht Baden und‘s iss erst recht kein Trinkwasser, allet klaa?“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Nun hatte Merc dem Chauken bewiesen, dass er es auch „drauf“ hatte, wenn er denn nur wollte. Umgekehrt verhielt es sich wohl eher so, dass Hauke nicht anders konnte, als ständig abgekupferte Weisheiten von sich zu geben und Blödeleien mit der Stimmlage eines ostfriesischen Televisionskommödianten aus der fernen Zukunft. Ja, eigentlich war Hauke so gesehen seiner Zeit weit voraus – im Öffentlich-rechtlichen Sinne.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die Stille war gebrochen und sie fuhren frotzelnd dahin, sich aber dennoch mit gesundem Misstrauen beobachtend. Vorsichtig ist die Mutter des Münzbeutels, erst recht auf der F6.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Hauke schaute seit einiger Zeit angestrengt vom Karren in Richtung Osten und schien etwas zu suchen,

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Suchst du was?“ frug Merc.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Ja, eine Nerthus-Säule,“ antwortete Hauke. „sie ist hier kurz vor Norderkoog an einer kleinen Au. Da muss ich runter und quer übers Land nach Hause.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Das da vorne?“ frug Merc und wies auf etwas, das aussah wie ein hoher Pfahl an einer still vor sich hin driftenden Aue

Bild oben: fiktiver Kultpfahl der Chauken an einer Aue. Menelaos‘ Erstlingswerk aus Eschenholz, welches er während seiner Sklavenschaft bei den Chauken im ersten Jahrhundert dem freiheitlich- religiösen, germanischen Geschmack anpassen musste. Mit den Worten „Ich kann so nicht arbeiten,“ entfloh er zurück nach Rom, wo er sich seiner naturalistischen Vorliebe widmen konnte und großen Ruhm erlangte. Seine Werke wurden von den Chauken aber lange in Ehren gehalten und sind gut gepflegt worden. Leider sind sie bis zur Neuzeit in Gänze zerfallen.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Der Karren kam an der Skulptur zum Stehen.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Merc und Hauke starrten mit offenen Mündern auf die Skulptur. Kurz darauf käute der Ochse wieder und das Geschmatze holte die beiden nach einer Weile wieder zurück in die Wirklichkeit.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Das meinst du?“ frug Merc, „ist ja recht grob gearbeitet.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ “Mit Absicht,“ entgegnete Hauke, „sonst wäre die Darstellung zu bildhaft, was dem freidenkerischen, religiös-ikonographischen Stilelement meines Volkes widersprochen hätte. Hat übrigens ein nicht ganz unbegabter Römer angefertigt, den sich unsere Vorfahren als kleine Widergutmachung beim Imperium ausgeliehen hatten.“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Hauke sprang vom Wagen und zog seine Frame unter den Riemen der Karrenabdeckung raus.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Er ging hinten um den Karren herum, um sich bei Merc für die Mitnahme zu bedanken:

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Vielen Dank für’s Mitnehmen, was bin ich dir schuldig?“ Hauke streckte Merc den Arm zum Abschiedsgruß entgegen,

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Nichts, ich hatte ja eine gute Unterhaltung und viel Spaß,“ lächelte Merc den Chauken an, „komm gut zuhause an!“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Immer noch beeindruckt von Haukes letztem Satz setzte Merc seine Fahrt mit dem Karren fort. Hauke lief über die Wiesen neben der Aue im Laufschritt nach Hause,

Blid oben: ​​ Ein Blick vom Beifahrersitz des Ochsenkarrens über die F6 und die Salzwiesen auf die Wersau. Hier saß vorhin noch Hauke. Jetzt vertrieb sich Merc alleine auf der Fahrerseite mit Händlerliedern die Zeit. Der Ochse schüttelte das Haupt. Quelle . Gerald

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Zwar vermisste Merc den quirligen Hauke ein wenig, und so dumm, wie Hauke sich offensichtlich gab, war er nach seiner letzten Äußerung zu schließen wohl doch nicht.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Aber Merc genoss auch alleine die Weiterfahrt, ließ das Möwengeschrei auf sich wirken und fühlte sich, weit weg von zuhause, wie in einer ganz anderen Welt.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die frische, aromatische Luft, die Möwen, die angenehme Wärme des späten Nachmittages, das satte Grün der Blätter und Wiesen,, nur vereinzelt ein paar dünne Wölkchen am dunkelblauen Himmel. So fing er lauthals an zu singen:

​​ …“Jaja, der wilde, wilde Norden fängt gleich hinter Benrath an...und  ​​​​ In der Sachsenhalle bei.Ge-hestenstedt…“ sang Merc und z. B. auch: „Dat du mien Dööfste-en büst, kanst mi ruich glöbn…

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Dem Exoteriker ​​ (Nichteingeweihten) sei an dieser Stelle vermittelt, dass bei Benrath (einem Stadtteil des neuzeitlichen Düsseldorf) die sogenannte Benrather Linie verläuft und eine Lautverschiebungsgrenze markiert, die einen Teil der Mittel- und Hoch- bzw. Süddeutschen Sprachen oder. Dialekte in markanten Teilen vom Niederdeutschen trennt. Die Sachsenhalle bei Geestenstedt ist übrigens eine Vergnügungs- bzw. Trinkhalle und wird „Saxhalla“ genannt, was exotischer beim Publikum ankam und als Anregung später von einem Komponisten im frühen 19. Jahrhundert als Idee aufgenommen wurde. Also auf keinen Fall verschwörerisch, sondern einfach nur werbewirksam. Tatsache ist, dass die Saxhalla erstmalig in der Kurzgeschichte „Einen Germanoccino bitte“ erwähnt wurde.

Ende, bald geht’s weiter mit Sönke, dem Vorstopper.

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