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Wir und die anderen – 2 Salve Wodan

„Salve Wodan…“

(Mit den anderen – Teil 2)

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ …ist​​ nicht nur Latein.​​ Auf Spanisch heißt es soviel wie „Heil Dir Wodan“ und kann auch als Wunsch für Gesundheit und Erfolg verstanden werden. Das passt an dieser Stelle ganz gut, denn bei unseren Langhus-Feiern feiert auch öfters ein Südamerikaner mit, der richtig Gefallen an unserem Kult und dem mythologischen Hintergrund gefunden hat.

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Bild oben: Heidnisch-germanisches Herbstfest​​ mit peruanischer Beteiligung

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Der Südamerikaner – nennen wir ihn einfach mal Jorge​​ ​​ kommt aus Peru und hat seine Wurzeln in der Moche-Kultur. Leider ist von der alten Regionalsprache​​ Muchik​​ so gut wie nichts mehr überliefert.​​ Die​​ spätere​​ Inka-Herrschaft ließ den Ureinwohnern zwar noch ihre regionale Identität, mit der​​ nachfolgenden​​ Kolonisation durch die christlichen Spanier war das dann allerdings vorbei.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Jorge ist über viele alte Rituale​​ seines Volkes informiert. Auch in der eigenen Familie werden schamanische Rituale durchgeführt. Da er geschichtlich und mythologisch vielfältig ​​ interessiert und bewandert ist, konnten wir bei unseren ersten Treffen sehr viel an Wissen über unsere jeweiligen heidnischen Kulturen austauschen. Spannenderweise haben viele unserer alten Gottheiten und auch Ritualabläufe Ähnlichkeiten mit denen in Südamerika.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Kein Wunder, dass sich Jorge in unsere Rituale von Anfang an sehr gut mit einband. Sein natürlicher, weihevoller Umgang ist vielen von uns angenehm aufgefallen​​ und viele von uns ​​ finden,​​ dass sich​​ mancher Heide hierzulande​​ davon​​ eine ordentliche Scheibe abschneiden kann.​​ Und es machte ihm auch ganz und gar nichts aus, in einem heidnisch-germanischen Ritual in Deutschland die hiesigen alten Götter anzurufen. Genauso wie ich zum Beispiel im Rahmen eines indigen-südamerikanischen Rituals auch nicht respektlos mit Donar reinplatzen würde.​​ Alles hat seine Zeit und seinen Raum und unserer ist in unseren Ritualen halt germanisch.​​ 

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Bild oben: „Jorge“ mit unserem Feuerwart vor Beginn des Rituals

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Einige erinnern sich vielleicht noch an den Artikel in einem der letzten Ringhörner über das letzte Thing in der Nähe von Bremen, welches wir vom Langhus ausrichteten. Da war Jorge ja auch mit dabei und er half mir wunderbar bei der Planung einer Museumsführung mit schamanischen Schwerpunkt.​​ Nach dem offiziell geführten Teil referierte er zum Schluss noch selbst über ein paar diesbezügliche Themen aus seiner Heimat.

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Bild oben: „Jorge“ bei der Erklärung schamanischer Praktiken seiner Heimat

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Solche Blicke über den Tellerrand sind für viele von uns sehr wertvoll. Lassen​​ sie uns doch respektvoll anderes kennenlernen und damit nicht zuletzt auch das Verständnis für unsere eigene alte Kultur. Wir müssen uns nämlich bewusst sein, dass hierzulande vieles verschüttet war und durch die vergleichende Religionswissenschaft​​ und das Kennenlernen vermeintlich​​ ​​ „primitiver Kulturen“ wir viel über uns selbst lernen konnten. Schlussendlich stellen wir fest, dass diese Kulturen ganz und gar nicht primitiv waren bzw. sind. Im Gegenteil, ihre kultischen Handlungen waren spirituell höchst effektiv und durchdacht in die Gesellschaft verwoben.​​ 

Gerald Rohfeld