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Kampf- und Kriegskunst bei den Germanen

 

Kriegs- bzw. Kampfkunst und Leibesübungen bei den Germanen

Caesar,​​ Tacitus, weitere röm. Autoren und die Sagas​​ berichten

Die Waffen​​ der Germanischen Krieger

Der Schild​​ 

Der Speer – Frame, mit dem man sein Reichweite vergrößert, die Größe betrug ​​ 200-300 cm​​ 

​​ Das ​​ germanische Spatha, es war zwischen 75-110 cm lang, etwa 1- 1,5 kg schwer, die Klinge war zwischen 4-6 cm breit. Schwerter wurden nur von wohlhabenden Germanen getragen.

Die Axt in verschiedenen Variationen​​ 

Das Sax dessen Größe und Länge durchaus variieren konnte.

Der Wurfspeer: Reichweite zwischen 10-50 Meter.

Die Keule: Wurde als Schlagwaffe genutzt, Keulen konnten trotz Rüstung die Knochen brechen.

Wurde man von einer auf den Helm getroffen ​​ war eine Gehirnerschütterun vorprogramiert.

Die Steinschleuder: besitzt große Schlagkraft, sie ist eine Verdoppelung des Armes dadurch ist es auch möglich doppelt soweit werfen zu könalsbloßenHand.

Die bihändige Waffentüchtigkeit also der wechsel von Schild und Schwert von linls nach rechts und umgekehrt mitten im Schlachtgetümmel war einer von vielen ​​ Bestandteilen ​​ altnordischer Kampf Technik/Taktik.

 

Eine andere Kampftaktik der Germanen bestand darin, auf den Gegner zuzustürmen sofern der Angriff misslang sich umgehend in Wälder oder sumpfiges Gebiet zurückzuziehen und den nächsten Angriff vorzubereiten.

Oder man griff den Feind bei Dunkelheit von verschiedenen Seiten an.

 

Zur germanischen Reiterei. ​​ 

 

​​ Sie jagen heran, springen ab,​​ fechten zu Fuß, sitzen wieder auf und jagen davon.

Ihr ganzes Leben ist zwischen Jagd und Kriegsübung geteilt .

Von Jugend an gewöhnen sie sich an Strapazen und sind auf Abhärtung bedacht.​​ 

Sie (Die Germanen) haben nur vereinzelt Schwerter. (größtenteils die germanische Adelsschicht oder Wohlhabende Bauern) – Anmerkung des Vervassers.

Framen – Speere ​​ größere und kleinere führen sie mit schmalen und kurzen Eisen.

Sie verschleudern auch Wurfgeschoße.

​​ An anderer stelle wird ihre Schnelligkeit hervorgehoben und beschrieben wie sie selbst größere Strecken voller Kampfmontur zurücklegen um Verbündete im Kampf zu unterstützen.

 

 

​​ An dieser Stelle ​​ noch einmal​​ Tacitus über die Harier:

 

Im übrigen sind die Harier den soeben genannten Stämmen an Kräften überlegen.

Ohnehin von schrecklichem Aussehen, kommen sie der angeborenen Wildheit durch Kunst und Ausnutzung der Zeit zu Hilfe.

Schwarz sind die Schilde, ​​ gefärbt die Leiber; dunkle Nächte wählen sie zum Kampf, und schon das Grauenvolle und Schattenhafte ihres Totenheeres jagt schrecken ein: kein Feind hält dem ungewohnten und gleichsam höllischen Anblick stand. ​​ Denn in jeder Schlacht erliegen ja zuerst die Augen.

 

Tacitus Informationsquellen sahen in den Hariern einen Stamm.

Wahrscheinlicher ist dass sie die Stoßtruppen – das her der Lugier oder Nahanarwalen waren.

Die schwarz bemahlten Krieger von denen Tacitus berichtet stellten derartige rituell für tot Erklärte dar, tote die in der Gesetzlosigkeit, in der Wildnis die Feinde der Gemeinschaft töteten. ​​ Die letzte Zeile besagt das Tacitus oder seine Quelle die schwarze Farbe ihrer Körper, Waffen, und ihre nächtlichen Angriffe für Täuschungsmanöver, für eine Art psychologischer Kriegsführung hielt.

 

Wir können darauf schließen, das diese Krieger die Toten sind.

Das Heer schlechtweg ist das Geisterheer, die Schar der einherjar, als deren Führer Odin, Herjann, Herfadir, Herjafödr heißt.

Die Harier glaubten, dass sie die Ahnen sind die toten Helden ihres Stammes, eine Armee der unsterblichen-unbesiegbaren.

 

Es ist naheliegend mit der Sitte Waffen und Leib zu schwärzen Angst und Schrecken zu verbreiten, jedoch kann man nicht davon ausgehen, einen Feind mehrmals mit solch einem Trick zu schrecken.

In erster Linie war die Wirkung nicht an den Feind adressiert, der wenn er Germane oder Kelte war, sicherlich dieselbe Art von Kriegern in seinem eigenen Stamm hatte, sondern vielmehr an die kämpfenden selbst.

Die Toten können nicht getötet werden: weder Feuer noch Schwert kann ihnen etwas anhaben, wie Snorri über Odins Berserker schrieb.

Tacitus hat uns eine sehr wertvolle frühe Beschreibung von kultisch-extatischen Kämpfern hinterlassen.

 

 

Die Harier waren auf nächtliche Angriffe spezialisiert. Dank ihrer Tarnung verschmolzen sie mit der Dunkelheit, und wurden eins mit ihrer Umgebung. Sie griffen aus dem Hinterhalt an und verschwanden wieder bevor der Feind wußte was geschah.

Damit mit der Waffe Kraftakte ausgeführt werden konnten, war natürlich ein strenges Training der Selbstkontrolle von nöten, dieses in hohem Maße religiös war. ​​ Die religiösen Elemente wurden scheinbar zur späteren Zeit, von der Christenheit übernommen, die die nordischen Kampfkunstarten in die ritterlichen Künste und die Totemtiere in Wappenbilder verwandelte.

 

 

Drei Haupttierkulte

 

In den nordisch/germanischen kampfkünsten – Kampftradition

​​ gab es drei Haupttierkulte:

Den des Wildschweins, des Bären und des Wolfes.

 

Ein Hemd Umhang aus Bärenfell war das Kennzeichen des Berserkers.

Das Bärenfellhemd war ein totemisches Zeichen dafür, das die Bärenkrieger in der Schlacht auf die Kraft des Bären zurückgreifen konnte. (Bärenkult)

 

 

 

Die Ulfhednar-Wolfskrieger trugen Wolfsfelle statt Kettenrüstung.

Anders als die Berserker die meist in zwölf-Mann-Gruppen auftraten gingen die Ulfhednar einzeln als Guerillakämpfer in die Schlacht.

 

Wildschwein-Eberkrieger:​​ 

Die Wildschwein-Krieger kämpften in der Schlachtordnung die Svinfylking der Schweinskopf genannt wurde.

Sie hatte die Form eines Keils und wurde von zwei Kämpfern angeführt, die als Rani-​​ Schnautze bekannt waren.

Wildschweinkrieger waren sehr gut in der Tarnung, sie entkamen weil sie das ​​ terrain die Umgebung genau kannten.

 

Wie die beiden oben genannten Tierkrieger nutzen auch die Wildschweinkrieger die stärke ihres Tieres als Grundlage für ihre Kampfkünste.

 

 

 

 

 

Desweiteren kannte ​​ man Einzel und Mannschaftskämpfe, zu Pferd im Laufen,springen,Steinstoßen,Speerwerfen,Handicaprennen,Hammerwurf,

Hengst hetzen ​​ und Wagenrennen.

Die römischen Autoren, sowie die nordischen Sagas berichten uns von Schwimmwettkämpfen, regelrechten Schwimmvorführungen, und Ringwettkämpfen im Wasser.

 

Sportliche Jagd zu Pferde und in Begleitung von Hunden und mit abgerichteten Raubvögeln galt als probates Mittel der Leibesertüchtigung.

 

Im Winter wurde diese auf Schneeschuhen oder Skiern fortgesetzt, deren ältestes Exemplar in einem Moor bei Hofing in Schweden vor rund 4500 Jahren hergestellt wurde.

Schlittschuhlauf auf den Unterschenkelknochen von Pferden, Schweinen, Hirschen und Rindern gehörte bereits zum üblichen Freizeitvergnügen,

und wenn mal der Schlitten nicht griffbereit war improvisierte man und nahm sich den Schild.

 

Wie oben aufgezeigt, war Sport für die germanen all das was er für uns auch ist, Bewegungskultur, Leistung, individualvergnügen, und die Möglichkeit ​​ zur interaktion mit anderen Menschen, in jedem Falle wichtig zum Überleben! ​​​​ 

 

 

Unterschied von Kriegs- bzw. Kampfkunst zu Kampfsport

Als Kampfkunst werden Techniken, Fertigkeiten, und (oder) Stile bezeichnet die körperliche Auseinandersetzungen mit einem Gegner/Feind unterrichten.

Traditionelle Kampfkünste sind oftmals entwickelt worden, mit dem Ziel​​ die Ausübenden​​ ​​ auf militärische​​ Kampfeinsätze vorzubereiten.​​ 

Es entwickelten sich überall dort Kampfkünste, wo​​ Völker aufeinandertrafen und​​ es zu​​ Auseinandersetzungen​​ ​​ kam.

 

Unter Kampfsport versteht man das messen der eigenen Kampffäigkeit mit einem Gegner Kontrahenten nach feststehenden Regeln.

Der Sportliche Aspekt steht dabei im Vordergrund: d.h es geht darum, unter Beachtung der Regeln zu gewinnen und besser zu sein als sein​​ Kontrahent.

 

Also ein reglementierter Wettkampf.

 

 

Der Ringkampf

 

Der Ringkampf ist fester Bestandteil der menschlichen Kultur, nicht nur zu Selbstverteidigung in Kriegerischen Ausseinandersetzungen sondern auch als Kämpferisches Spiel und als sportlicher Wettkampf.

 

Während Kinder meist intuitiv miteinander ringen und/​​ oder ​​ ranggeln,

entwickeln Erwachsene feststehende Reglements, um Verletzunungsgefahren zu vermeiden​​ ​​ (sportlicher Ringkampf)​​ siehe weiter unten.

 

Der Ringkampf findet sich überall auf der ganzen Welt zu allen Zeiten wider,​​ und​​ ​​ ist mindestens ​​ seit dem Jahre 704 v.chr Olympische Disziplin und teil der europäischen Sportgeschichte.

 

Ringen​​ gab und​​ ​​ gibt es in unzähligen regionalen und nationalen Stilen

Im Gegensatz zu den Heute bekanntesten und weit verbreiteten Stilen wie z.b dem Grischich-römisch, Freistil, Judo, und Sumo​​ (um nur einige zu nennen)

Ist es seit dem Mittelalter typisch für die sportliche Ringkampfstile Nord und Mitteleuropas, sich auf den Kampf im Stand zu fokussieren.

Der Durchgang wird beendet wenn einer zu Boden geht.

Dass galt für das Ringen das Fabian von Auerswald 1539 beschrieb,​​ 

auch gilt es für das gegenwärtige Schwingen der Schweitzer,​​ das bretonische Gouren. ​​​​ Sowie das Isländische Glima.

 

 

 

Ringen im Ernstfall – Beispiele aus den Sagas

 

Das​​ Ringen im Ernst das auch Schläge und Tritte beinhaltet- ist notwendiger Teil einer Kampf und Selbstverteidigungskunst, die ihre Anwendung im regellosen Kampf um Leben und Tod hat.

 

Dazu ein Auszug aus der​​ Finnboga Saga:

Alfr war gekommen und gedachte, kurzen Prozess mit Finnbogi zu machen.

Der sprang auf und unterlief Alfr, er war sehr kräftig.

Sie kämpften lange miteinander, als das Feuer hoch flammte und man die ganze Höhle erkennen konnte.

Finnbogi sah, dass im​​ inneren der Höhle ein Stein war, der oben eine scharfe Kannte hatte, und dorthin wollte Alfr ihn bringen.

Finnbogi wehrte sich nicht dagegen, und als sie an den Stein kommen, springt​​ er darüber und zieht den Alfr mit aller Macht zu sich und bricht ihm das Brustbein auf dem Stein, und so lässt er sein Leben.

 

Ohne irgendeine Vorwahnung wird Finnbogi in einen Kampf um Leben und Tod verwickelt, er nutzt die natürlichen Gegebenheiten des Schauplatzes, um sich zu verteidigen.

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiteres Beispiel für den Ringkampf als Teil gewalttätiger Auseinandersetzungen. ​​ (ringen im Ernst)  ​​​​ ​​ aus der Finnboga Saga:

 

Thorgrim läuft in die Ecke an eine Stelle, wo er ein Stück Rasen anhebt und ein Schwert hervorholte.

Er springt auf Finnbogi zu, wo er lag, und schlägt nach ihm, wie es ihm am einfachsten scheint.

Finnbogi schlief nicht so fest, wie er den thorgrim hatte glauben lassen, und sprang auf und ihm entgegen; er warf seinen Umhang über das Schwert und wendete den Schlag ab.

Da unterlief thorgrim den Finnbogi, aber obwohl er recht stark war, reichte seine Kraft hier doch nicht aus, und Finnbogi hatte ihn schnell unter sich.

Dann nimmt er das Schwert und schlägt ihm den Kopf ab.

 

Die Abwehr einer klingenwaffe mit Mantel oder Umhang, wie von Finnbogi ausgeführt, findet sich mehrfach in späteren Fechtbüchern- es kann sich bei​​ der​​ Szene durchaus um eine Referenz des Autors auf eine ihm bekannte Kampfmethode handeln.

 

Der Ablauf des Kampfes ist gut nachvollziehbar und plausiebel:

Das Schwert des Attentäters wird mit dem Mantel gebunden und beiseite​​ geschlagen; der Angreifer geht daher direkt in den Ringkampf über, in dem er gegen Finnbogi ​​ chancenlos ist.

 

Die Ausklammerung ​​ von Schlägen, Tritten und Ringkampftechniken aus dem Fechten ist eine ​​ späte ​​ historische Entwicklung, die einer Ästhetisierung und Versportlichung geschuldet ist vgl. Wetzler 2012.

 

Der nahtlose Übergang zwischen befaffneten und unbeffneten Techniken ist heute noch bestimmend für die Kampfsysteme z.b. der Philipinen oder Indonesiens und er war es auch in Europa, die einen sagen von den ersten Fechtbüchern bis ins 17 Jh.  ​​​​ Ich glaube das der nahtlose Übergang zwischen​​ bewaffneten und unbewaffneten KampfTechniken ​​ schon seit der Antike oder noch früher den indigenen Völkern bekannt war und auch von ihnen genutzt wurde.

 

Tacitus berichtet z.b. von den Germanen das sie mehr mit ihren Leibern Kämpften, was​​ ​​ aussagt​​ dass die indigenen Stämme den Nahkampf bevorzugten. ​​ ​​​​ Mann begibt sich mit der Absicht​​ ​​ in den nahkampf​​ ​​ den Gegner schnell zu überwätigen,​​ ​​ zu entwaffnen kampfunfähig zu machen oder wie​​ oben Finnboga saga ​​ zu töten in jedem Falle geht es darum​​ ​​ in kriegerischen Auseinandersetzungen​​ sein Leben​​ zu retten, und​​ zu verteidigen.​​ 

 

 

 

 

 

 

 

Sturlunga saga​​ (thorgils saga og Haflida

 

Und einmal als wir uns begegneten, da schlug ich nach ihm, aber er unterlief den Schlag, und ich kam unter ihn .

Dann zog er ein Messer und stach mir ins Auge, und ich verlor ​​ das Augenlicht auf dieser Seite. ​​ Dann ließ mich Gudmundur Grimsson aufstehen, aber irgend etwas daran​​ schien mir recht seltsam.

Ich hatte zweimal seine Körperkraft, und ich dachte, so wäre es auch sonnst zwischen uns bestellt.

 

Sich unter einem Angriff abzuducken, zumal wenn er mit einer Waffe geführt wird,

ist eine sinnige Taktik.​​ Die Fähigkeit, dieses Abducken direkt in einem Gegenangriff überzuleiten, erfordert einiges an​​ Übung und​​ können .

 

Das nahtlose Zusammenspiel von ringerischen und bewaffneten Mänövern zeigt sich, wenn Gudmundr aus der Aktion heraus auch noch sein Messer zieht und zusticht. ​​ ​​​​ Die Verwunderung des Erzählers, trotz überlegener körperliche Kräfte besiegt worden zu sein , verweisst auf den Vorteil, den die souveräne Beherschung der Kampftechniken auch dem schwächeren bietet.

 

Dies gilt umso mehr, je weniger Regeln der Kampf unterliegt (eine Beobachtung die zum ersten Mal 1470 in einem deutschen Ringkampfbuch ausformuliert wurde vgl. Welle1993)

 

 

Geselliges Ringen: Spiel und Sport.

Eines Sommers nimmt der Sohn Finnbogis ​​ Gunnbjörn an Wettkämpfen teil bei denen das Ringen eine Wichtige Rolle spielt: Man redete viel über Ringkämpfe. Trotz anfänglichen Zögerns wird Gunnbjörn für einen Kampf gegen einen alten Rivalen der Familie gesetzt.

 

Finnboga Saga ramma, Kap.37 S. 662.

Danach beginnen die Männer mit den Spielen. Gunnbjörn wurde gegen Jökull aufgestellt. Sie gingen sich hart an und kämpften eine lange Runde, bis Jökull aufs Knie fiel. Da hieß es , sie sollten aufhören und es einen Gleichstand nennen. Jökull will das aber nicht, und sie kämpften eine Zweite Runde, und diesmal fiel Gunnbjörn aufs Knie. Da traten Männer hinzu und baten sie aufzuhören. Für Jökull kam das nicht in Frage.​​ Danach versuchten sie es ein drittes Mal. Da löst sich Gunnbjörn und unterlläuft Jökull, hebt ihn bis auf Brusthöhe und schmettert ihn auf das Podest nieder. Jökull und Bersi ​​ sprangen zu ihren Waffen, aber man hielt sie auf. Danach endete das Spiel.

 

 

 

 

 

Der oben zitierte Kampf gibt Aufschluss über die Verfassung geselligen Ringens im mittelalterlichen Island.

 

Ringen wird als Teil eines sozialen Ereignisses, als sportlicher Wettkampf mit aktiven (Kämpfer) und passiven (Zuschauer) Akteuren ausgetragen.

Als es zu gewalttätigen Ausschreitungen zu kommen droht, werden die Spiele beendet.

 

Wir erfahren zum Ablauf der Kämpfe:

Kampfpaarungen werden abgesprochen, und gerungen wird in mehreren Runden.

 

Technischer Umfang:

Unterlaufen und ausheben werden geschildert, sowie das niedergehen aufs Knie.

 

Die Bausteine des Ringens – die einzelnen technischen Fertigkeiten an sich sind in allen Kulturen, die den Ringkampf kennen die gleichen.

Die Epochenspezifik des Ringkampfes besteht daher eher in der Art und Weise, wie die technische Fertigkeit u.a. in einem ganzen Handlungskomplex intigriert wird. Damit begibt man sich auf die Suche nach der gesellschaftlichen Motivierung, die der technischen Fertigkeit zugrunde liegt. (Welle 1993.S.22

 

 

Der soziale Rahmen.

 

Ringkämpfe finden teilweise als spontaner Zeitvertreib statt.

z.b. als ruppiges Spiel der Jungen, häufiger sind Ringkämpfe die im Rahmen gesellschaftlicher Ereignisse als Wettkampf und Schauspiel inszeniert werden.

Bei Hochzeiten, beim Thing und anderen Feierlichkeiten,.

Im folgenden zwei Beispiele

 

1.Hochzeit von Reykholar: Sturlunga saga Thorgils saga og Haflida kap.17,S22

Es gab nun Lustbarkeit und große Freude, gute Unterhaltung und allerlei Spiele, Tänze, Ringkämpfe und das erzählen von Geschichten.

 

2.Frühjahrs Thing von Hegranes: Grettis saga kap.72.S1064.

Das Wetter sei schön und angenehm, meinten einige junge Männer, und das es gut sei Ringkämpfe und unterhaltsame Spiele zu veranstalten man stimmte dem zu.

 

Ähnlich wie bei heutigen Sportereignisse können dabei die Kämpfer als Stellvertreter konkurierender Gruppen fungieren, oder es treten umgekehrt Gruppen in Konkurenz​​ ​​ zueinander, weil sie sich mit Kämpfern aus ihren Reihen identifizieren. Die Kämpfer​​ treten nicht mehr nur für sich selber an, sondern für ihre Sippe-Gemeinschaft.

 

 

 

 

 

Viga​​ -​​ Glums saga​​ kap13,S1923:

Es geschah eines Sommers auf dem All-Thing, das die Männer nach ihren Bezirken aufgeteilt auf den Ringkampfplatz gingen,die aus dem Nordland und die von den Westfjorden.

 

Den Nordländern erging es schlecht, ihr Anführer war Mar, der Sohn von Glumr.

Da kam ein Mann hinzu, der Ingolfr hieß, der Sohn von thorwald.

Mar Sprach; ​​ Du bist ein kräftig gewachsener Mann und wirst wohl stark sein.

Tu mir einen Gefallen und komm zum Ringkampf. Er Antwortete ​​ dass​​ will ich dir zu liebe tun. Der gegen ihn rang, fiel zu Boden, so ging es auch mit dem zweiten und dem dritten​​ . Die Nordländer waren erfreut. Da sprach Mar:

Wenn ich ein Wort für dich einlegen soll,will ich dir helfen.

 

Eichberg ist der Meinung, daß der gesellschaftliche Charakter des Sportes nicht nur in seiner Organisition, Führung, und Ideologie lag und liegt, sondern sich im​​ ​​ Sportverhalten selbst aufsuchen lässt  ​​​​ (eichberg193,S14

 

In diesem Sinne ist es die Gleichzeitigkeit von Geselligkeit​​ und​​ Auseinandersetzung,​​ die die von den Sagas beschriebenen Wettkämpfe auszeichnet.

Sie dienen dazu, kriegerische Fähigkeiten auf unblutige Weise darzustellen, einerseits sind Aggression, Kampfbereitschaft, und Kampffertigkeit lobenswerte Charakterzüge aber nur solange, wie sie in gesellschaftlich akzeptierten Bahnen kanalisiert werden. ​​ Standhaftes, zielführendes und gleichzeitig regelkonform zu ringen repräsentiert einen erfolgreichen Mann, der sich im Wirtschaftlichen und politischen Umfeld gegen Rivalen durchsetzen kann, ohne die soziale Ordnung in Gefahr zu bringen.

 

Es lassen sich Weltweit diese vielfältigen sozialen Funktionen kämpferischer Wettkämpfe zu unterschiedlichsten Zeiten immer wieder aufzeigen.

Dass man in solchen​​ gesellschaftlichen Zusammenhängen kämpfen spielt​​ ​​ entspricht dem altisländischen Sprachgebrauch z.b. til leikfangs – zum Spielringen, at leika haelkrok – einen Fußfeger spielen.

Dieses Leika betont den geselligen, auch performativen Charakter des Ringens

Vgl auch Brasilianischen Kampftanz, oder Silat​​ aus Indonesien die ebenfalls gespielt werden.​​ 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ablauf der Kämpfe:

 

Wo als Wettkampf gerungen wird entstehen Kampfpaarungen per Herausforderung, oder sie werden durch dritte zusammengesetzt um​​ ​​ Ausgeglichene Kämpfe zu garantieren.

 

Grettis Saga​​ Kap 72,S 1064.

Nun rangen erst die, die am schwächsten waren und als die meisten gerungen hatten außer denen, die am stärksten waren.​​ 

 

Durch die Kampfpaarungen wurden ua. Zwischenmenschliche Spannungen in physische Handlungen übersetzt z.b wen Bersi dafür sorgt das Gunbjörn gegen Jökull antritt (siehe Finnboga Saga ramma.

Gerungen wurde im Freien und im Haus, die Kämpfe waren in Runden organisiert Finnboga saga ramma, Kap 35 S.659. ​​ Sie rangen drei Runden, und sie schienen dem Bardi gleich gut zu sein und er gebot ihnen aufzuhören.

 

Eine Runde ging anscheinend so lange, bis einer der Kämpfer zu Boden fiel.

Schwierig zu beurteilen ist die Bedeutung​​ des Niedergehens auf ein Knie, wenn dies geschieht wird die Runde beendet, eine Entscheidung scheint aber nicht herbeigeführt.​​ Gunnbjörn und Jökull gehen beide einmal aufs Knie, bevor der Kampf in der dritten Runde beendet wird.

 

Einarsson deutet die Belege dahingehend:

…ein fall aufs Knie wurde nicht als Sieg, sondern als Gleichstand gewertet ein vollständiger Sieg wurde nicht ​​ gegeben, außer der Gegner fiel auf den Rücken, denn dann war er in eine unterlegene Position gekommen ​​ (Übersetzung S.W.)

 

Laut der Grettis Saga wurden Ringkämpfe mit freiem Oberkörper ausgetragen.

Er warf die Haube ab und alle Oberkleidung und hält die anderen Wettkämpfer an, sich mit dem Ausziehen zu beeilen, damit ich nicht lange ohne Kleider dasitze.

 

Alternativ exestierte sicherlich die Vorstellung eines besonders stabilen Kittels, den man speziell zu diesem Zweck trug.

Die Figuren der meißt später entstandenen kontinentalen Ringkampfbücher tragen gewöhnlich oberbekleidung, wobei die Abhängigkeit von bildgestalterischer Normen zu berücksichtigen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Techniken des Ringens

 

So wie jeder Kampfsport ist auch der​​ Ringkampf abhängig von seinem kulturellen Rahmen,​​ bestimmter​​ Regelwerke, ästhetischen​​ Vorstellungen, sozialen​​ Normen usw.​​ Siedefinieren den technischen​​ Grundstock eines gegebenen Ringkampfsystems.

 

Übereinstimmungen zwischen den Positionen der altägyptischen Darstellungen von Beni Hassan und iranischem Koshti, zwischen frühneuzeitlichen deutschen Ringhandschriften und Olympischen Judo sind zahlreich und mühelos zu finden.

Es lohnt sich, die literarischen Beschreibungen diverser Techniken aus den Sagas​​ mit dem Wissen um diese Konstanz zu interpretieren.

Heutiges Isländisches Ringen benutzt vielfach technische Termini, die in Form und Bedeutung bereits in der Saga Literatur zu finden sind. Es gibt keinen Zweifel, dass dieser sprachlichen Deckung auch eine große praktische entspricht

 

Ringkampf beginnt mit dem gegenseitigen Fassen. Die Art wie sich die Kontrahenten zu Kampfbeginn fassen​​ (dürfen)​​ bzw. ob sie es überhaupt tun prägt den weiteren Kampfverlauf und impliziert die erlaubten und verbotenen Techniken. ​​ Mit Wahrscheinlichkeit kamen mehrere Regelsätze zum Einsatz.

 

Die Handschriften der Snorra-Edda benutzen Wörter, die sich von at fa – nehmen, fassen ableiten;  ​​​​ nur im Codex upsaliensis findet sich der Ausdruck glima.

Der Begriff ​​ fang ​​ steht im Altisländischen nicht nur für Griff oder greifen,​​ sondern Synonym für Ringen an sich.

 

Die sprachliche Asoziation von Ringen und umarmen ist im mittelalterlichen Europa verbreitet. Ebenso ist es verbreitet, einen Ringkampfstil danach zu benennen​​ wie sich die Kämpfer greifen z.b. Hoselupf, oder Backhold – Schottischer Ringkampf bei dem man als Startposition, die Hände hinter dem Rücken des Gegners schließt in also komplett umfängt. Im isländischen findet sich dafür ein eigenes Wort – hryggspenna.

 

Die altnordische Literatur beschreibt den wohl berühmtesten Ringkampf zwischen dem Gott Thor/Donar und Elli dem personifiziertem Alter. ​​ Snorra – Edda

Utgard – Loki befiehlt Donar er solle gegen sein Amme Elli das personifizierte Alter im Ringkampf antreten, bei diesem Kampf kann der Ase einen Achtungserfolg erzielen. Obwohl das Alter letzten Endes jeden zu Fall bringen wird​​ wie der Text beinhaltet, kann Elli den mächtigen Rotbart nicht mit bloßer Kraft überwinden. Alternativ bemüht sie sich eines bragd – einer schnellen, plötzlichen Bewegung. In Zusammenhang einer Technik, eines Tricks,, Fellt hefir´´

Das Wort Fellt ist hier wörtlich als fällen zu deuten (verstehen) als völliges zu Fall –​​ bringen, da der Oberkörper auf den Boden aufschlägt. Genau dies geling Elli diesmal nicht die schon andere Männer zu Fall ​​ Gebracht hat, die nicht schwächer als Thor erschienen. Denn nur auf ein Knie kann sie den Sohn der Erde niederringen, ein klarer Sieg bleibt ihr verwehrt, mangels eines ähnlich trickreichen bragd bleibt Donar nur seine gewaltige Kraft, die er Elli entgegenhalten kann.​​ 

 

Ringen ist auch immer eine Sache der Kraft, aber Kraft alleine reicht nicht um dauerhaft erfolgreich zu ringen – vielmehr geht es um die Kenntnis der richtigen Technik und Taktik. Welche Technik Elli anwendet, wird leider nirgendwo beschrieben.

 

Einarsson stellt einige Techniken des mittelalterlichen isländischen Ringens zusammen.​​ Ein Auszug:

 

1 Leggjarbragd eda haelkrokur fyrir bada (Fegen eines Beins oder beider Beine von hinten oder von der Seite, mit dem äußeren Fuß.

2 sveifla (Schwingen, d.h. ausheben un

d seitwärts werfen.

3 magabragd eda klofbragd( frontales ausheben, auch über den Oberschenkel von innen.

4 hals eda bolabragd (Niederzug mit Griff am Hals

5 hnesbotarkrokur (Ausheben am Knie

6 snidglima (Überzug über das ausgestellte Bein

7 tabragd stigid a rist (auf den Fuß stellen und werfen

8 lausamjödm (Hüftwurf)​​ 

9 haelkrokur ( Fusshaken mit der Ferse.

 

Genaue Erklärungen und Bilder zu den Techniken unter URL:​​ http://openlibrary.org/books

 

 

 

 

​​ 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ende:

 

 

Anhang

Thorsteinn Einarsson​​ www.mbl.is/greinasafn/grein/1077282​​ ein Artikel zum Buch, sein Buch ist posthum erschienen, als Zusammenstellung verschiedener Aufzeichnungen unterschiedlichen Alters über Ringen Glima in Island.

 

Ende – Odal

 

Quellenverzeichnis:

Allgemeine Internetrecherche.

Karfunkel Ausgabe Nr6 die Germanen.

Matthias Teichert (Hrsg) Sport und Spiel bei den Germanen.

Über die Harier: Tacitus,

Kris Kershaw Odin der einäugige Gott und die Indogermanischen Männerbünde.

Nigel Pennik – Prudence Jones ​​ Heidnisches Europa.