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Island – Reisebericht Sommer 2010 ausführlich

Island - Götter, Helden, Sagenhaftes

„Na, das ist ja ein Zufall.“ denke ich, „Gut, dass ich hier angehalten habe!“

Auf meinem Weg durch Island wäre ich nämlich beinahe an einem Ort​​ vorbeigefahren, der mir doch sehr interessant erscheint – Orlögsstaðir. Denn wie ich auf dem Hinweisschild an der Landstraße lese, fand hier am 21. August 1238 die größte Kampfhandlung statt, die jemals auf Island ausgetragen wurde.

Um dorthin zu kommen, muss ich über eine Wiese an einem Bauernhof vorbeigehen, der Ásgarður heißt. Also lasse ich – als wenn’s nichts wäre – Asgard mal eben rechts liegen und gehe weiter den Hang hinauf. Eine Weile später stehe ich an der Schicksalsstätte.

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Bilder oben:​​ Orlögsstaðir

Hier geschah es also. In der sogenannten Sturlungen-Zeit, einer Aera harter Machtkämpfe verfeindeter isländischer Häuptlinge, fand vor Ort im 13. Jahrhundert ein brutaler Kampf statt. Unter anderem wurden hier der Gode Sturla​​ Sighvatsson (ein Neffe des bekannten isländischen Gelehrten Snorri Sturlusson), sein Vater und mehrere seiner Brüder von Gissur Thorvaldsson ermordet. In der Zeit enstanden unter anderem die bekannte Laxdaela und die Egils-Saga. Am Ende diesen Bürgerkrieges verleibte sich der norwegische König das zerstrittene Island in sein Reichsgebietein und 1262 war es vorbei mit dem freien Island.

Und nun stehe ich hier – obwohl ich diese Stätte gar nicht „auf dem Zettel“ hatte. Zum Weiterdenken komme ich gar nicht, denn auf einmal zieht eine​​ Wolke heran, die das ganze Umfeld schlagartig nasskalt einhüllt. Die Temperatur fällt ebenso plötzlich und die Sicht beträgt mal nur etwa fünfundzwanzig  Meter. So wird mir deutlich klargemacht, dass ich hier am nördlichen Wendekreis bin und das Polarmeer mal wieder eine dunstige Botschaft über das Land schickt.

Als sich nach einer Minute der Wolkenschleier wieder hebt, glaube ich meinen Augen nicht zu trauen. Ein weißes Islandpferd steht vor mir und schaut mich an.

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Bild: Das Pferd​​ aus dem Nebel

Dann verhüllt die Wolke diesen Ort wieder und das Pferd ist verschwunden – hatte ich geträumt?

Nein, habe ich nicht. Denn ein paar Augenblicke später hat sich der Wolkenvorhang dann gänzlich verzogen und ich stehe inmitten einer ganzen Herde von Islandpferden! „Die waren doch vorhin noch nicht da“ denke ich gerade noch vor mich hin und nun ziehen auf einmal Fohlen zutraulich grasend an mir vorbei. Scheinbar registrieren sie mich gar nicht. Die Stuten sind auch ganz vertraut und ob meiner Anwesenheit gar nicht misstrauisch. „Ach, ist das ein schöner Augenblick!“

Später werde ich erfahren, dass es sich bei dem zuerst gesichteten weißen Pferd wohl um die Leitstute handelt, die nachgesehen hat, wer sich denn da herumtreibt. Anscheinend hat sie​​ mich als harmlos eingestuft und der Herde den Zutritt zu dem „Fremdling“ gewährt.

So stehe ich nun hier an geschichtsträchtiger Stätte., es riecht nach Pferd und eine Geräuschkulisse aus Schnauben, Rupfen und gelegentlichem Wiehern umgibt mich. Ab und an werde ich „angerempelt“. Ich bin mittendrin, mache keine Aufnahmen und genieße einfach nur den Moment.

Später schleiche ich heimlich davon, weil ich weiterfahren muss…

​​ denn ich will einiges erleben. Ich bin wieder auf Island. Einen ersten Eindruck von der Insel im Nordatlantik bekam ich vor fast zwanzig Jahren, als ich zum ersten Mal hier war. Nun, um Mittsommer 2010 spüre ich dem noch einmal nach und habe mir einiges vorgenommen.  Denn ich will es besser kennenlernen, das Land der alten Götter. Das Land​​ der Wikinger und der Helden aus den Sagas.

Doch - ist das wirklich so? Ist Island wirklich heldenhaft und wie steht’s mit den vollbärtigen​​ Kriegern? Wie sieht es aus mit der Präsenz der Elfen und der alten Gottheiten? Die raue Schönheit der Natur. Ist sie​​ so, wie sie uns immer beschrieben wird - oder alles nur geschönte Postkartenromantik?

Über Island sollte man wissen, dass es ungefähr so groß ist wie die „fünf jungen Bundesländer“ unserer Republik. Und auf dieser verhältnismäßig riesengroßen Fläche leben​​ knapp über 300.000 Einwohner. Das ist etwa so, als würde man die Einwohner von Mannheim auf die ganze „Ex-DDR“ verteilen. Irgendwie wurde mir schon während meiner Planung im Vorfeld klar, dass ich viele Dinge auf meiner „Wunschliste“ streichen muss, um eine halbwegs „abgerundete“ Reise zu machen, die die Vielfalt des Landes annähernd darstellen kann.

Also geht’s los. Bei 35 Grad fahre mit meinem Auto bei strahlendem Sonnenschein durch Hamburg, übernachte in Dänemark und komme nach einer sehr entspannenden​​ Fahrt mit dem Fährschiff „Norröna“ von Hanstholm über die Faröer-Inseln in Seyðisfjörður auf Island an. Die zwei Nächte auf See haben mir gut getan. Ich habe vom Alltag losgelassen und komme ausgeruht und aufnahmebereit an…

...bei 11 Grad und Nieselregen.​​ Was für ein Temperatursturz! Aber so ist es wohl, ein Hoch über dem europäischen Festland wird häufig durch ein sogenanntes Islandtief stabilisiert.

Nach meinen ersten sprachlichen Versuchen an einer Tankstelle mit angeschlossenem Kiosk, die übrigens sehr​​ freundlich aufgenommen werden, mache ich mich mit meinem Auto auf den Weg und muss einen Pass überqueren, damit ich auf die große Ringstraße komme, die in guter Qualität um ganz Island führt. Auf der Serpentine überrascht mich zum ersten Mal eine kalte Wolke, die mich fast am Weiterfahren hindert, sosehr ist die Sicht eingeschränkt. Und die Temperatur sinkt deutlich ab! Es sind nur noch 4 Grad Celsius. In den kleinen Bergseen links und rechts neben der Straße erkenne ich schemenhaft Eisberge und meine hinsichtlich meines Sommerurlaubes irgendwie „im falschen Film“ zu sein – bis ich auf der anderen Seite des Passes ankomme. Dort ist es wieder deutlich wärmer und es kommt sogar ein wenig die Sonne durch. Hurra – Island, ich komme!

Deutlich beschwingter fahre​​ ich weiter und komme immer wieder an Bächen bzw. Flüssen und Stätten vorbei, die „Álf“ (Elfe) im Namen tragen. Und die Elfen sind auf Island fast überall gegenwärtig. Auf Nachfrage wird mir erklärt, dass sie tatsächlich in straßenbauliche Projekte mit einbezogen werden oder z. B. in Angelegenheiten des Häuserbaus. Eine Frau auf Island hat sich in der Beratung mit den Elfen besonders hervorgetan. Es ist allerdings nicht richtig, dass sie eine offizielle Elfenbeauftragte der Regierung ist. Das ist eine gern-​​ und auch vielzitierte „Ente“ eines deutschen Reporters.

An einer geologisch sehr interessanten Stelle bei Húsavík lese ich auf einer Hinweistafel eines ortsansässigen Bauern folgendes: