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Island – Gemeinsam, Ásatrúar und Christen bitten für ihr Land

Gemeinsam - ​​ Ásatrúar und Christen bitten​​ für ihr Land

Island soll leben! – Ásatrúar und Christen bitten gemeinsam für ihr Land. Zugegebenerweise bin ich nicht nur begeistert, sondern auch ein wenig neidisch auf das, was ich während meines kürzlichen Island-Aufenthaltes erleben durfte.

Denn ich habe ein Land kennengelernt, welches gerade durch seine Gegensätze äußerst reizvoll ist. So bin ich in Deutschland bei 35 Grad im Schatten losgefahren und komme nach zwei Nächten auf See bei 11 Grad auf​​ Island an.​​ Meine erste Fahrt vom Ankunftsort Seiðisfjörður aus über eine Passstraße führt mich durch ein extrem dichtes Wolkenfeld und die Temperatur sinkt auf 4 Grad herunter. Schemenhaft erkenne ich kleine Eisberge im Wasser dicht neben der Straße​​ - und dass mitten am Tag im Sommer. Eine Viertelstunde später habe ich wieder freie Sicht,​​ ​​ komme​​ schneller vorwärts und ​​ fühle mich sicherer.​​ ​​ Zwei Täler weiter​​ scheint sogar die Sonne und die Temperaturanzeige meines Fahrzeuges zeigt mir 15 Grad an, die​​ sich​​ aber deutlich wärmer anfühlen​​ – durch die niedrige Luftfeuchtigkeit. Die Landschaft im Nordosten der Insel ist fast baumlos und vielfach​​ nur​​ mit rauem Vulkangestein bedeckt, welches von Flechten und ab und an mit grünem Gras bewachsen ist. Dann folgen irgendwann Sand- und Steinwüsten. Die Fernsicht ist​​ auf Island​​ großartig. Wenn gerade keiner der vielen Berge oder Vulkankegel ​​ die Sicht versperrt,​​ ​​ kann man durch die klare Luft über 130 Kilometer weit sehen. Durch einen atemberaubend raschen Wetterwechsel befindet​​ man sich 15 Minuten später wie in einem gefühlten Herbststurm.​​ Da ich​​ diese Reise vollkommen alleine​​ angetreten​​ habe,​​ empfinde​​ ich​​ die Schönheit und Rauigkeit von Island ganz unteilbar auf mich bezogen. Einmal öffnet die Weite den eigenen Horizont und das Herz, dann wird man durch ein rasch heranstürmendes Wolkengebiet, das vom Polarmeer heranfegt, wieder schlagartig ganz auf sich selbst reduziert. Vor allen​​ Dingen bei kleinen Wanderausflügen wirken diese Wetterkapriolen ernüchternd und bedrohlich.​​ Islands Natur rüttelt mich wach​​ und bringt mich mir selbst näher!

​​ Ausgleichend dazu gibt mir die oft zu empfindende​​ offene Art und​​ Herzenswärme der Menschen dort ein Wohlgefühl, wie ich es in geborgenen Kinderjahren verspürt habe​​ …weil ich mich auf das Land einlasse…​​ und so​​ versuche​​ ich​​ mich​​ auch​​ auf isländisch auszudrücken, was mir verhältnismäßig gut gelingt.​​ Die mit dem Deutschen verwandte​​ und doch so fremd anmutende​​ Sprache fordert​​ wie das Land selbst​​ ebenfalls meine ganze Aufmerksamkeit.​​ Man versteht mich​​ glücklicherweise​​ und zollt meinen Bemühungen hohen Respekt. Nur​​ ich​​ selbst​​ kann oft kaum erahnen, was man mir entgegnet und etwas peinlich berührt bitte ich fast immer um eine​​ Fortführung des Gespräches in Englisch oder Deutsch.​​ 

Die isländische Sprache weist eine hohe Ähnlichkeit mit dem Altnordisch auf. Kein Wunder, denn durch die Abgeschiedenheit des Landes haben sich sprachliche Veränderungen nicht oder nur geringfügig bemerkbar gemacht.​​ Ganz erstaunt war ich über einige Worte, die sich im Deutschen nur in ganz alten Fachsprachen erhalten haben. Fast mühelos können die Menschen dort auch die Texte der Edda lesen und verstehen. Die lebendige Archaik zieht mich in ihren Bann und​​ ich will mehr wissen. Wie ist​​ das​​ denn auf Island​​ mit​​ dem Ásatrú im Verhältnis zur christlichen Religion?​​ 

Die Antwort erhalte ich Zug um Zug, denn ich habe ein Land kennengelernt, in welchem​​ mich​​ die​​ dort​​ heimischen Götter​​ fast​​ auf Schritt und Tritt​​ begleiten, obwohl das Christentum seit etwa 1000 Jahren Staatsreligion ist. ​​ In Reykjavík finde ich zum Beispiel direkt an der größten Kirche der Stadt ganze Straßenzüge, die Namen verschiedener nordgermanischer Gottheiten und anderer mythologischer Gestalten haben. Auch viele Geschäfte, Bars und Hotels sind nach Ihnen benannt.​​ 

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So kann ich über „Mimirs Weg“ schlendern,​​ um über den „Baldurstieg“ zum Hotel „Odins Heiligtum“ zu gelangen, weil ich dessen mir angepriesene Küche genießen will. Danach geht’s „Thors Straße“ hoch,​​ um rasch noch ein Photo von der schönen Kirche zu machen, bei der man es sich im „Café Loki“ bequem machen kann. Herz, was willst Du mehr?​​