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Island – eine Schatzgrube…

Vom sprachlichen​​ und mythologischen Interesse über Schwärmerei und​​ Idealisierung​​ bis zum Extremismus und Missbrauch anhand des Beispiels Island.

 

Ich möchte ausgeklammert von meinen Reiseberichten am Rande doch noch einen kleinen und​​ mit Sicherheit​​ keinesfalls vollständigen Beitrag zu einem Thema schreiben, das mir sehr am Herzen liegt

Sprachlich fielen mir auf Island ein paar Worte auf, die in uralten deutschen Fachsprachen in fast identischer Form vorhanden sind. In anderen​​ germanischen​​ Sprachen habe ich sie nicht finden​​ können.​​ Als interessierter Laie freuten mich​​ diese Entdeckungen​​ schon sehr.​​ Deshalb kann ich​​ mir ein wenig vorstellen,​​ dass​​ Island​​ gerade für Linguisten​​ so​​ faszinierend​​ ist.​​ Und das schon seit langer Zeit.​​ Man denke​​ zum Beispiel​​ nur an den berühmten Jakob Grimm.​​ Oder um in Deutschland zu bleiben​​ -​​ Franz Josef Mone.

Die ältesten schriftlichen Sprachzeugnisse auf Island sind in aller Regel Lieder über Götter und Helden und „Landnahmebücher“ Mit der Konservierung der Sprache ist​​ die isländische Sagenwelt und Mythologie​​ in seiner besonderen Form erhalten geblieben und daher​​ schon immer von großem Interesse gewesen.​​ Im Zuge der Romantik ist sie allerdings zum Teil verklärt worden. Richard Wagner hat sich für seinen Ring der Nibelungen ordentlich beeinflussen lassen. So gewaltig in seiner Ausdruckskraft mit heldenhaften Charakteren kann aus dieser Verklärung leicht ein falsches Idealbild entstehen, das kaum etwas mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat.

Dennoch wurde dieses heroisch verklärte Ideal gerne benutzt, um die Menschen in einen Wahn hinein zu manipulieren. Hiermit wurde eine Modeerscheinung, die bis in das zwanzigste Jahrhundert andauerte, geschickt ausgenutzt, verdreht​​ und pervertiert.​​ Obwohl diese Menschenverdreher des dritten Reiches zu einem großen Teil gar nicht an die Kultur der alten Völker unseres Kulturkreises anknüpfen wollten. Eher haben sie sich an die Maschinerie und den pompösen Auftritt der Römer orientiert und für die einfache und ehrliche Lebensweise unserer Ahnen nur am Rande interessiert.​​ Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an eine Beschreibung von Adolf Hitler, wie er an den Externsteinen über die alten Germanen sprach. Nämlich abfällig über Menschen, die im Matsch lebten. Trotzdem wurde damals geschickt der Zeitgeist ausgenutzt und dabei die Wertigkeit unserer Vorfahren für politische Zwecke deutlich überhöht.

Das hat Vieles​​ in den Dreck gezogen und meine Wut über diesen Extremismus ist sehr hoch.​​ Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie gefährlich solche Strömungen sein können, die sich irgendwelcher Bilder bedienen, um Menschen zu beeinflussen.​​ Deshalb ist Aufklärung und​​ eine​​ ehrliche Forschung und Betrachtung in meinen​​ Augen wichtig. Schließlich​​ können​​ die Forschenden von damals nichts dafür, dass ihre Ergebnisse missdeutet wurden. Ein Interesse an der eigenen Vergangenheit ist meines Erachtens vollkommen natürlich und in jedem Menschen​​ mehr oder weniger​​ verankert. Die Neugier auf die alte Kultur, den Glauben unserer Vorfahren und zum Beispiel auch auf Runen ist einfach nur ein Interesse an den eigenen Wurzeln. Außerdem ist es sehr spannend, weil es viel zu entdecken gibt.​​ 

Vielfach neigen​​ aber​​ manche Leute leider​​ auch​​ dazu,​​ solche Interessen​​ negativ zu pauschalisieren. Das ist aber ungefähr so, als würde ich ein Missbrauchsopfer verprügeln, statt ihm zu helfen. Psychologisch kann man das zwar verstehen, tatsächlich ist es aber das Falscheste, was man tun kann.​​ 

Wichtig ist meiner Meinung nach eine gute und unabhängige Forschung zu den Themen. Sicherlich dürfen Deutungsversuche nicht unter den Teppich gekehrt werden, eine objektive Betrachtungsweise ist letztendlich aber die Messlatte. Zum Schluss werden wir es sowieso nicht in Gänze erfahren, weil von uns keiner dabei war und die Sicht immer im Auge des Betrachters liegt. Letzteres ist manchmal von Nachteil bei der Auslegung schriftlicher​​ Quellen.​​ Erniedrigung und Überhöhung sind fehl am Platze und verderben das Echtbild.​​ 

Eine missdeutete Auslegung​​ kann von wohlwollender Spinnerei, reiner Phantasie und mehr oder weniger vorhandener „Esoterik“​​ bis hin zum Extremismus reichen. Einer Schwärmerei gibt sich wohl jeder gerne mal hin, das ist ja auch nichts Verwerfliches – im Gegenteil. Nur sollte man sie irgendwann auch mal als solche erkennen. Oder Jules Verne, der Island in einem phantastischen Roman verarbeitet hat. Darüber hinaus ist Island bei Esoterikern hoch im Kurs. Das ist in meinen Augen auch gut verständlich, sogar dann, wenn man mal selbst da gewesen ist.​​ Das Land ist halt einfach faszinierend.

Äußerst bedenklich wird es – wie ich finde – wenn​​ eine überhöhende, schwarmhafte Auslegung (ich vermeide mal den Begriff „Lüge“) als ein Ideal hingestellt wird, bzw. als ein Quell idealisierter Lebensart. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wird es kritisch. Mal abgesehen von der geschichtlichen Unwahrheit ist eine Idealisierung ja auch immer ein Stück weit Unerreichbarkeit. Manchmal ist es ja auch so, dass um diese unerreichbaren Phänomene Personen mit „messianischem Charakter“ scharen, die ihre „segensreichen und unumstößlichen Auslegungen“ verbreiten. Das​​ bringt auf perfide Art ein Stück Macht und damit verbunden leider auch Unterdrückung mit sich.

In jedem Fall neigen bestimmte Menschen dazu, sich immer mit quellennächsten Reputationen​​ zu umgeben, damit sie mit vermeintlichem Fug und Recht​​ eine Instanz darstellen können, die sie bei​​ Weitem​​ nicht sind – oft sogar ganz im Gegenteil.

So waren die Isländer geschockt von den späteren Berichten über eine „Freifrau Sigrun von Schlichting“ des Armanenordens, welche die isländischen Ásatrúar über ein paar Jahre hinweg charmant umgarnte. Insbesondere Sveinbjörn Beinteinsson (der übrigens kein Deutsch sprach) wurde oft von ihr beschenkt. Als ihre rechtsextremen Beziehungen bekannt wurden, wurde der Kontakt abgebrochen.

Weiterhin wurde mir​​ auf Island mitgeteilt, dass der auch über die Grenzen hinweg mit zweifelhaftem Ruf bekannte „deutsche​​ Allsherjargode​​ Geza von Nemenyi“ dort seine Spuren hinterließ.​​ Zuerst ging man davon aus, dass es sich bei ihm nur um eine „opportunistische Lachnummer“ halte. Aber Geza hatte auf seine eigene, charmante Art Kontakt zu einem​​ vormaligen​​ isländischen Allsherjagoði. Ein persönliches Treffen mit diesem​​ wird als Grund für Gezas vermeintliche Selbstberufung zum​​ deutschen Allsherjagoden vermutet… Wie dem auch sei, der jetzige isländische​​ Allsherjagoði Hilmar Örn Hilmarsson​​ beantwortete ihm niemals​​ eine seiner Nachrichten. Für ihn ist er ein weiterer Fall eines sich selbst überhöhenden Charakters. Hilmar kann übrigens recht gut Deutsch, weil er einen Großteil seiner Kindheit in Deutschland verbrachte. Aus diesem Grunde konnte er solche „Erscheinungen“ recht gut abschätzen.​​ 

In jedem Fall erklären solche Vorkommnisse die zeitweilig vorherrschende Zurückhaltung gegenüber deutschen Nachfragen. Verständlich, wie ich finde und ein Stück​​ beschämend zugleich.​​ Gerade deshalb ist eine gute Aufklärung sehr wichtig, sonst geht das Ganze nachhaltig „in die Grütze“. Und gerade auch aus Island wird für uns hier in Deutschland ein gutes Stück Einigkeit und Miteinander gewünscht. Allen ab und zu mal aufkommenden Unkenrufen zum Trotz.​​ Aber da sind wir ja​​ glücklicherweise auf einem richtig guten Weg und​​ wollen auch gerne dafür​​ sorgen, dass es nicht zu „feindlichen Übernahmen“​​ kommt…​​ 

Jörg Gerald Rohfeld