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Island – Ehre dem Bischof, Ehre sei Thor

Ehre dem Bischof – Ehre sei Thór!

Ehre dem Bischof, Ehre sei Thór - diese Worte, ausgesprochen ​​ in einem Satz, geht das denn überhaupt?​​ 

In Skálholt, einer kleinen Gemeinde auf Island scheint das ganz normal zu sein.​​ 

Skálholt​​ ist eine Ortschaft in Südisland, die nach der Annahme des Christentums Bischofssitz des gleichnamigen Bistums wurde​​ (1056). Skálholt erlangte schnell die Stellung des wichtigsten politischen, religiösen und kulturellen Zentrums des Landes. ​​ Hier wurde auch die erste Lateinschule Islands gegründet und die Rechtssprechung hatte ein ähnliches Gewicht wie die in Thingvellir.

Erst Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ​​ wurde der Bischofssitz der lutherischen Kirche zentralisiert und nach Reykjavík​​ verlegt.​​ Hierdurch verlor Skálholt dann rasch an Bedeutung.​​ .Neben dem landschaftlichen Reiz hat die Gegend (Skálholt heißt in etwa „hügelige Schalenlandschaft“) natürlich noch ihr politisches und religiöses Erbe. Am deutlichsten wird das in meinen Augen durch die ​​ auffällig große Kirche des kleinen Ortes.

Hilmar Örn Hilmarsson -​​ gewählter​​ Allsherjargoði der​​ in Island als​​ Glaubensgemeinschaft anerkannten Ásatrúarfélagið -​​ macht​​ mich auf​​ ein Werk des Künstlers Páll Guðmundsson​​ aufmerksam, welches seinem gleichnamigen Großvater gewidmet ist, dem auf Island wohlbekannten Poeten Páll Guðmundsson vom Hofe Hjálmsstaðir.​​ Es steht auf der großen Rasenfläche neben der Kirche und zeigt einerseits​​ den nordgermanischen Donnergott Thór und auf der anderen​​ Seite​​ den ersten isländischen Bischof, Ísleifur Gissurarson.

C:\Users\Jörg\Documents\Heidnisches\Island-Artikel\Ehre dem Bischof - Ehre sei Thór!\Thór, Bischoff, Hilmar und Kirche in Skálholt.JPG

Der isländische Allsherjagoði Hilmar Örn Hilmarsson vor der Kirche in Skálholt.

Und wie selbstverständlich fügt sich Hilmar​​ Örn Hilmarsson​​ in das sich mir bietende Bild ein. ​​ Ich drücke auf den Auslöser​​ meiner Kamera und mich überkommt​​ ein Gefühl der Freude und auch des Neides. Die Szenerie wirkt sehr unbeschwert und irgendwie selbstverständlich - ja, hier ist ein Zusammenleben dieser beiden ​​ Religionen möglich.

 

Hier findet auch das internationale alljährliche Skálholt-Festival statt. Und in eben dieser Kirche werden in dessen Rahmen in erster Linie klassische Konzerte aufgeführt. ​​ Auch in dem Moment der Aufnahme übt ein Chor im Inneren des Gotteshauses unter Orgelbegleitung ein Stück ein. Ein paar Augenblicke später wohnt Hilmar​​ (auf Island gibt es kein „Sie“,​​ ​​ alle Menschen reden sich mit dem Vornamen an)​​ für einen Moment der Probe bei – man kennt sich, man grüßt sich​​ freundschaftlich. Ja, es ist​​ hier​​ in der Tat sehr unbeschwert.