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Island – Snaefellsnes

Snæfellsnes​​ – wo Island am Magischsten ist

 

„Ach, ist das herrlich!“ denke ich bei mir und nehme noch Schluck „Gull“.​​ 

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Bild: „Gartenarbeit in Reykjavík“

 

Ich sitze in einem Garten eines​​ Vorortes​​ von Reykjavík und​​ lasse mir die Sonne auf den Bauch​​ scheinen. Die Leute, bei denen ich unterkommen durfte, haben mir​​ einen gemütlichen Platz in ihrem Garten​​ eingerichtet. Nachdem ich bei einem Kaffee meine Eintragungen in mein Reisetagebuch vorgenommen habe,​​ feiere ich für mich selbst mein Hiersein bei einer Dose isländischem Bier. Und „Gull“ ist ein richtig gutes Bier!​​ Ganz genau heißt es eigentlich „Gylltur“ und wird von der Viking-Brauerei in Akureyri als Export-Lagerbier hergestellt. Auch als Dosenbier ist es ausgezeichnet​​ trinkbar und ich lasse das süffig-herbe Nass genussvoll meine Kehle hinabrinnen.

Versonnen strecke ich die Beine aus und verschränke die Arme hinter meinem​​ Kopf. Mein Blick​​ wandert über den Rasen und den großen Stein über die Hecke hinweg. Schräg dahinter liegt bereits​​ „Faxaflói“, eine Einbuchtung des Atlantischen Ozeans​​ zwischen den isländischen Halbinseln Akranes, auf der ich mich gerade befinde, und Snæfellsnes, meinem nächsten Reiseziel.​​ 

Es ist ein wunderschöner, windstiller,​​ sonniger Tag. Und die Fernsicht auf Island ist aufgrund der reinen​​ Luft einfach grandios! An solchen klaren Tagen kann man mit bloßem Auge den 120 Kilometer entfernten Snæfellsjökull erkennen, die höchste Erhebung​​ dieser Landzunge.​​ 

Snæfell heißt übersetzt „Schneeberg“ und „-nes“ bedeutet wortwörtlich eigentlich „Nase“, weil sie – wie bei einem Gesicht – ein gehöriges Stück aus dem übrigen isländischen Kernland herausragt Sinngemäß ist es also​​ eine Landzunge. Und Snæfellsjökull ist der „Schneeberggletscher“.​​ Denn ein „Jökull“ ist ein Gletscher.​​ Eigentlich ganz einfach, denke ich bei mir. Nur die Aussprache ist​​ für mich noch ungewohnt. Viele Laute werden​​ nämlich​​ anders ausgesprochen, als es in unserer deutschen Schriftsprache üblich wäre. Aber das ist ein ganz anderes Thema…

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Bild: „Snæfellsnes“

 

Zwei Tage später ist es soweit. Ich bin wieder auf dem Weg und durchquere​​ Snæfellsnes. In meinen Augen ist diese​​ Halbinsel zurecht das beliebteste Urlaubsgebiet der Isländer. ​​​​ Denn hier findet man so gut wie alles, was Island ausmacht, auf engstem Raum: Vulkane, Gletscher, Wanderrouten, Skigebiete, Fischfang,​​ Wasserfälle, beeindruckende Vogelwelten und viel Historisches, Religiöses und Mythologisches.​​ Gerade der vielen sagenumwobenen, mythenhaften Erzählungen um diese Gegend ist es zu verdanken, dass Snæfellsnes als das „mythologische Märchenland“​​ von Island bekannt ist.

„Beherrscht“ wird diese Halbinsel vom Snæfellsjökull, Hierbei handelt es sich um einen Vulkanberg, der 1446 Meter hoch hinaufragt und von einem Gletscher bedeckt ist.

 

Schon immer ist von diesem Berg eine besondere Ausstrahlung ausgegangen, die weithin bekannt war. Sogar Jules Verne wusste darum und verortete in seinem​​ berühmten​​ Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ den Eingang in die von ihm beschriebene​​ untererirdische Höhlenwelt dorthin.

 

In den beiden Isländersagas Eyrbyggjasaga und Viglundarsaga wird der Snæfelljökull ebenfalls​​ erwähnt.​​ Ganz besonders lokal und erwähnenswert ist​​ meines Erachtens​​ die​​ „Bárðarsaga“, auf die ich an dieser Stelle etwas näher eingehen möchte.

Mit der großen​​ norwegischen Auswanderungswelle ist ein Mann namens Bárðar nach Island gekommen und siedelte sich hier im Westen der Insel in der Nähe des Vulkanes an Es wurde gesagt, dass er Trollblut in den Adern habe, denn er ist viel größer und ungemein stärker als alle anderen. Und zauberkundig war er obendrein.​​ In Hellnar gründete er seine Hofstelle „Laugarbrekka“ Dort gibt es eine Höhle mit dem Namen „Sönghellir“. In dieser Höhle wohnte er zuvor eine Zeit und sang in ihr seine Lieder. Diese Höhle hat übrigens nach wie vor eine sehr gute Akustik. In einem der dort vorhandenen Maare badete er regelmäßig, weshalb dieser dann auch „Bárðarlaug“ genannt wurde.​​ Er hatte auch eine Tochter mit dem Namen Helga. Zwei Neffen sollten während seiner Abwesenheit auf das Mädchen aufpassen, was die beiden allerdings versäumten.​​ Helga wurde auf einer Eisscholle abgetrieben.​​ Der zu Berserkertaten neigende Bárðar tötete wutentbrannt die beiden, in dem er den einen von den Klippen und den anderen in eine Schlucht warf.​​ Was keiner wusste:​​ Helga ist auf​​ dieser​​ Eisscholle​​ als erster europäischer Mensch​​ bis nach Grönland gekommen. Der Sage​​ nach soll die Entdeckerin Grönlands auf die gleiche Weise​​ wohlbehalten wieder zurückgekommen sein, womit​​ natürlich​​ keiner gerechnet hatte.​​ Unglücklicherweise sind die Neffen ja schon tot…​​ Dies ist die eine Seite des Bárðar, die andere ist​​ von großer Hilfsbereitschaft geprägt. Denn mit seiner Zauberkunst und seiner riesenhaften Kraft​​ ​​ hat er vielen Siedlern immer gut beigestanden. Das letzte, was über ihn in der Sage berichtet wurde, ist, dass er nach einem Streit mit seinem Halbbruder in den Snæfelljökull ging und dort noch immer sein soll. Dort passt er auf seine Schätze auf, die er​​ in einem Krater verbarg, der nun den Namen Barðarkista (Truhe des Barðar) hat.​​ Bei​​ den Menschen heißt er​​ Bárðar Snæfellsás​​ ​​ und ob seines mächtigen und hilfsbereiten Wesenszuges wird​​ er​​ in der Not gerne angerufen. Ihm zu Ehren wurde​​ bei Arnastapi​​ sogar ein Denkmal errichtet.

Mir fiel sofort eine gewisse Ähnlichkeit zu unserem „Rübezahl“ auf, der im Riesengebirge sesshaft ist. Von dort ist mir bekannt, dass​​ auch​​ Rübezahl in der Not angerufen wird: „Rübezahl – hilf!“ Seine Charaktereigenschaften sind ähnliche und die Geschichten um​​ ihn​​ bei weitem reichhaltiger. Nun ist Island ja noch nicht solange besiedelt​​ und hier laufen einige Dinge​​ tatsächlich​​ wie im Zeitraffer ab. Gerade in Bezug auf die​​ Bárðarsaga​​ um den Snæfellsjökull​​ drängt sich mir der Gedanke auf,​​ dass so Mythen entstehen können…