Pareidolie

Mal so aus’m Ärmel - Pareidolie

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ In der Kurzgeschichte „Sönke, der Vorstopper“ konntet Ihr ja lesen, wie Merc neben dem Weg die Umrisse eines weiter entfernten Baumes versuchte zu deuten und sich nach ein paar Fehlinterpretationen herausstellte, dass es sich um einen an einem Baum kauernden Menschen handelte. Eine gute Überführung zum Thema:

„Mal so aus’m Ärmel“ heißt für mich übrigens: unbedingt erwähnenswert, ist aber ohne Quellenhinweise mal eben so „runtergeschrieben“ worden. Das Ergebnis kann sich aber trotzdem sehen lassen und trägt als Diskussionsgrundlage zur „Entfälschung“ unserer Glaubensvorstellungen bei.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Ich selbst übersetze mir den Begriff Pareidolie unabhängig von der wortwörtlichen Übersetzung als „Gestaltdeutung“ und bitte jeden an diesem psychologisch-religiösen Themenkreis ernsthaft interessierten Heidenmenschen, sich selbst hierzu zu belesen.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Allerdings würde ich mich grundsätzlich nicht nur bei Wikipedia schlau machen, da die Gefahr von bewusster Verschleierung, Auslassung und auch Verunglimpfung von „Meinungsseilschaften“ durchaus gegeben ist. Hier leisten einem auch Fachbücher gute Dienste. Ach ja, gleichwohl der gesunde Menschenverstand, Kritikfähigkeit und ganz besonders die Eigenreflektion.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Warum ist das für uns spannend? Natürlich erliegt man häufig einer Fehldeutung. Nach meiner Erkenntnis war eine neunundneunzigmalige Täuschung im nächtlichen Wald und das instinktive Umgehen einer irgendwie unheimlichen Formation spontan mehr als sinnhaft. Beim 100. Mal stand dann doch einer mit einer Keule hinter‘m Baum und klaut mir Gut und Leben. Die Leute zuhause haben da auch nichts mehr von. Also durchaus eine Überlebensreaktion für einen selbst und den Fortbestand der Familie bzw. Gemeinschaft.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die Deutung als Symbol (z. B.eine Kompassrose, eine weiße Blüte oder ein Eichenblatt) kann auch Wissen vermitteln (auch als sog. Eselsbrücke und Zeugenfunktion) und auf gute Zeitpunkte für Handlungen, die von Erfolg gekrönt sein sollen, hinweisen. So werden zum Beispiel über den Mond und einige Sterne viele Geschichten erzählt, die in jahreszeitlichen Zusammenhängen gedeutet werden können. Die Verbindung zum Osterhasen ist nur ein Bruchteil der mythologischen Vernetzungen – wer das Ei findet, ist schon gut auf’m Weg…

Bild oben; Hase mit Ei im Mond, Fotoquelle :href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=89989538">Link</a>

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Vielfach wird den Heiden ja auch gerne Aberglauben vorgeworfen und polytheistische Empfindungen wären nur Wahrnehmungstäuschungen und Fehlinterpretationen (Stichwort Götzenbild). Dass das nur eine vorverurteilende Annahme und bewusste Fehlauslegung sein kann, dürfte den meisten von uns wohl klar sein. Aber so laufen „glaubensrhetorische Machtspielchen“ halt ab.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Und gerade hierin liegt ja der Vorteil einer gestattenden Art des Glaubens. Im Gegensatz zum Dogma ist im Polytheismus aber die Möglichkeit der Infragestellung und Erhellung durch Erfahrung schon quasi Pflichtprogramm des Nachdenkens. Woanders gilt Zweifel und selbstbestimmtes Handeln als Sünde – da kann es schon mal ganz schön warm um die Füße herum werden, wenn man sich nicht sofort und fraglos unterwirft.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Also habe ich in dem Begriff Pareidolie ein instinktives Verhalten gefunden, welches evolutionär bestimmt von großer Bedeutung gewesen ist. Außerdem hat eine Gestaltzuordnung aufgrund von strukturierten Merkmalen nicht nur für uns Menschen eine einfachere und schnellere Handlungsfolge zur Konsequenz. Ähnlich sehe ich das bei der vielfach diskutierten Gesichtserkennung in der automatisierten Datenverarbeitung, z. B in Bezug auf künstliche Intelligenz. Einerseits eine Vereinfachung, andererseits könnte damit irgendein Internet-Möchtegernkrieger Schicksal spielen und lässt der Drohne freien Lauf… Die Fehlauslegung einer Zahl der Mobilfunknummer könnte fatale Folgen haben.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Runen wären für mich auch noch ein Thema in diesem Zusammenhang, denn in den Zeichen verbergen sich auch Muster, die eine Wirkung auf die Wahrnehmung und eigene Deutung ​​ haben. Das ist aber ein Thema für sich.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Eigenes Entwicklungspotential: Sehe ich irgendwo ein Bildnis, dass mir einen Schauer über den Rücken laufen lässt, kann ich mich dem stellen und bewusst zum Beispiel an einer Thematik arbeiten, die im Unbewussten verborgen ist.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Das Thema ist also enorm facettenreich, wie das Leben selbst halt. Und irgendwie bin ich mir selbst darüber im Klaren, dass ich nicht alles nachvollziehen kann. Muss ich auch nicht, habe mit mir selbst genug zu tun und keine Lust, darüber hinaus andere machtpolitisch „fernzusteuern“ und ein Lügengespinst aufrecht zu erhalten, was ja schon einen krankhaften Charakter hat, der in sich Neid trägt und ständig gefüttert muss. In bestimmten Strukturen ist das jedoch ein bewusstes Erfolgsmodell, welches trotzdem seinen Lebenszyklus hat, denn der Mensch wird in seiner Eigenschaft immer dagegen aufbegehren. Das ist anthropogen und nicht aufzuhalten.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Ich hätte noch ein paar Punkte, höre aber an dieser Stelle auf. Viel Spaß bei den Diskussionen, Gerald

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