The Mythos must go on

​​ The Mythos must go on… ​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Das Leben sucht sich seinen Weg und die Wissenschaft versucht wieder und wieder herauszufinden, wie alles auf unserer Erde begann. Immer neue Theorien kommen „auf den Markt“ und sind für viele „Belege für die Richtigkeit der eigenen Weltanschauung.“ Kann man ja nachvollziehen. Aber leider sind Fehlinterpretationen an der Tagesordnung und werden gerne verschleiert – aus Angst vor Verlust von Macht und Ansehen wohl, wie ich am liebsten annehmen möchte. ​​ Ein Wissenschaftsjournalist formulierte mal ganz deutlich: “Wir irren uns empor!“ Wahre Worte.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Eine institutionalisierte, herrschaftsorientierte Religionsform kann das aber in einem linearisierten Weltbild nicht zulassen. Zur Not kann man ja alles irgendwie „anpassen“ und dann mit diktatorischer Härte vertreten. Und viel später, wenn keine Entschädigungsverluste mehr zu befürchten sind, sagt man voller Reue: “ ‘tschuldigung“.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Damit wir das als germanische Heiden nicht brauchen, ziehen wir vorbeugende polytheistische Anpassungen an wissenschaftliche Thesen vor, derer man sich dann sukzessiv bedienen kann, wenn diese These verifiziert wird. Clever, nicht? Wer am Schluss dieser Satire erkennt, um welche der seit ‘zig Jahrhunderten immer wieder diskutierten Hypothese es sich handelt, darf sich selbst auf die Schulter klopfen und sich auch mal so ’n Geschichtchen einfallen lassen. Aber ich werde das Geheimnis am Ende lüften und gebe zur Anregung am Ende mal ein paar Begriffe an, über die sich das Nachdenken und kontroverse Diskutieren wirklich lohnt… Jetzt aber zur Geschichte:

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Kurz vor Ragnarök: Drei Götter gingen über die Welt und sie waren zufrieden mit dem, was sie sahen. Die Jahreszeiten wechselten so wie immer. Nun wurde es wieder zaghaft Winter und es begann zu schneien.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Was machen wir mit dem kalten Zeug?“ frug der erste.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Der zweite erwiderte: „Na wie immer, wir machen was Sinnvolles draus!“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Der dritte: „Alles klar, wie immer. Wir erschaffen ein Wesen, dem wir Gestalt, Sinn und Leben geben werden…“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Da rief der Erste; „Ich bin dabei! Lasst uns einfach anfangen…“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Da schoben sie gemeinsam mit den Füßen etwas Schnee zusammen und rollten kurze Zeit später einen eisigen Brocken über den Boden, den sie zu einer Kugel formten. Und weil sie zu dritt waren, machten sie drei solche Kugeln und setzten sie übereinander.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Ich hole noch vier Stück Kohle, eine Möhre und einen schwarzen Schlapphut mit rosa Straußenfeder…“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Kohle Für die Mantelknöpfe?“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Nö, zwei für die Augen und – wirst schon sehen“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die drei legten los und gaben der drallen Schneefigur eine Form, wie sie ihnen in den Sinn kam. Die unterste Kugel wurde so modelliert, dass man von vorne einen Schritt und von hinten ein Gesäß erahnen konnte. Die mittlere Kugel bekam oben zwei erhabene Vorsprünge, damit die Hälfte der Kohlestückchen dort etwas exponierter zur Geltung kam. Die anderen beiden​​ wurden links und rechts von der Möhre in das Kopfteil gedrückt. Als Arme noch ein paar dürre Zweige, Hut drauf – fertig!

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Jetzt braucht sie noch einen Namen!“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ „Sie? Dann soll sie Isdrasil heißen“

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Der Abend brach herein und die nächste gestalterische Herausforderung, „Ismannur“, sollte dann doch erst morgen umgesetzt werden. Schließlich braucht Isdrasil ja noch einen platonischen Gefährten. Die drei waren aber müde, bereiteten sich ein Nachtlager und schliefen eine Weile später​​ tief und fest.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Es wurde eine kalte, mondhelle Nacht. Reifriesen torkelten mit Loki vorbei, mit dem sie zuvor noch eifrig gezecht hatten. Da, wo sie gingen, überzog sich alles knisternd mit eisig glitzerndem Reif. Das machte den weichen Schnee harsch und fest - auch Isdrasils schneeweißen Leib - und die kohlschwarzen Augen unter dem Schlapphut fingen im Mondlicht an zu funkeln.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Mitten in der Nacht wurde einer von den dreien als erster wach, weil es so hell war. Er blickte sich um und sah, wie Isdrasil ihm zublinzelte – oder funkelte nur ein Kohlestückchen? Er stand auf und ging zur Schneefrau. Eine gute Weile später legte er sich wieder hin und der zweite wurde wach – auch ihm „blinzelte“ Isdrasil zu. Und wieder eine Weile später wurde der dritte wach, als sich der zweite hinlegte.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ In Isdrasil begann etwas zu arbeiteten.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Am nächsten Morgen erwachten die Götter und sie erzählten sich, wie es ihnen in der Nacht erging. Dann wurden sie zornig, weil ihre Arbeit sich nicht von selbst weiterentwickelte, was sie ja erhofften. Sie zerdrückten die Schneefrau zu einem schmuddeligen Schneeball und warfen ihn mit aller Kraft zu den Sternen.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Na, hat jemand die alte Vermutung erkannt, die in letzter Zeit eine Renaissance erfuhr?

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Jouh, es ist die sogenannte Panspermie – dazu müsst ihr Euch mal schlau machen und über die Möglichkeiten bzw. Vorzüge dieser Theorie schnacken. Und seit Euch vor allen Dingen bewusst, dass es bei uns kein Diskussionsverbot gibt und ungewöhnliche Anregungen durchaus horizonterweiternde Eigenschaften haben, die Erkenntnisse nach sich ziehen können.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Ich hatte mir da auch mal Gedanken drüber gemacht und kann mir vorstellen, dass bei einem genetischen „Entwicklungsstau“ eine Änderung der Voraussetzungen zu einer Weiterentwicklung führen kann. Und wenn hier keine Weiterentwicklung mehr in Aussicht ist – warum nicht hinterm Mond. ​​ Das ist übrigens da, wo die wohnen, die denken, dass diese Geschichte „Blasphemie“ wäre oder so…

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Nun, auf jeden Fall ist ein Panspermiemodell mythologisch adaptierbar in einem weltoffenen Heidentum. Weitere interessante Begriffe sind „Altruismus“ und zum Beispiel „kryptochrom“ und „Paleidolie“. Macht’s mal… und ihr entdeckt „eddische Apokryphen“​​ 😊. Am besten am Herdfeuer, wenn die Kinder schon im Bett sind, es könnte sie langweilen…

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