Zählsystem, Rune oder Kratzer-Teil2

Prähistorisches Zählsystem, Kratzer oder Runen/Schriftzeichen?

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Bild oben: Neugier. Quelle: Wikimedia Commons, von Anonym - Camille Flammarion, L'Atmosphère: Météorologie Populaire (Paris, 1888), pp. 163., Gemeinfrei,​​ https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=318054

 

Neugier ist wichtig(!), sonst kämen wir zu nichts. Wir haben sie als Triebfeder für unsere Handlungen und den Fortschritt. In dem Wort Neugier steckt aber auch schon die ihr innewohnende Schattenseite mit einer ihrer Begleiterscheinungen: die Gier.

Neugier und Klugheit – Die Gier im Rahmen ungezügelter Neugier spielt so manchen Streich und zerstört oft das, was man ja eigentlich bewahren will – so kann man dann doch wieder die freudezerstörenden und scheinbar allzu verkrusteten archäologischen Bedürfnisse verstehen und sollte umsichtig vorgehen!

Neugier ist immer angebracht, zudem ein umsichtiger Umgang und Abstimmung. Aber auch Annahmen über erstarrte Komplexe (um nicht nur alte Pfründe zu wahren und sich nicht aus seiner etablierten Komfortzone heraus bewegen zu müssen) hinaus sollten nicht grundsätzlich verworfen werden. Und – ja, natürlich handelt es sich hierbei um grundsätzliche Kritik an einem Establishment.

Weitere Beispiele und Aufforderung

Ein befreundeter Historiker erwähnte in einem seiner Werke das extrem kontrovers diskutierte megalitische Yard (etwa 80 cm, aus vier Teilen bestehend – im Gegensatz zu dem heutigen, das aus drei Fuß zusammengesetzt und etwa 90 cm lang ist). Dieser Hinweis animierte mich übrigens zu diesem bescheidenen Artikel, welcher die Leser auffordern soll, sich mal mit alten Zähl-, Rechen- und Längensystemen auseinanderzusetzen, um das allgemeine und auch spezielle Verständnis anzuregen. Deshalb handelt es sich hierbei auch bewusst nicht um eine vollständige Ausarbeitung, sondern um eine Aufzählung von einigen spannenden Fakten, die mit einander in einem Zusammenhang stehen.

Mit Körperteilen als Maßeinheit zu kalkulieren, war früher allgemein üblich- auch in Deutschland – obwohl wir mittlerweile grundsätzlich das metrische System nutzen. Jeder kennt den Begriff „Zollstock“ für das Metermaß. Manchmal findet man auf der einen Seite des Zollstockes das metrische und auf der anderen Seite das zöllige System.​​ 

Das Vorteilhafte an den Körperteilen ist ja: man hat sie immer dabei: ein Zoll (daumenbreit, entspricht etwa dem engl. inch) ist ca. 2,5 cm lang, ein Fuß etwa dreißig Zentimeter. Es gab auch die „Deutsche Meile“, die „Seemeile“, die „Raste“ usw. Man wünscht sich bootsmäßig immer eine Handbreit Wasser unter’m Kiel. Die Liste an Beispielen und „Relikten“ ließe sich lang fortsetzen.

Als Zeitmaß übrigens diente die Handbreite bei ausgestrecktem Arm auch als recht verlässliche Einheit. Ich mache das immer noch und kann so ohne Uhr die Zeit bis zur Dämmerung oder dem Sonnenuntergang sehr gut abschätzen. ​​ Eine Handbreit (Abstand Sonne/Horizont) ist etwa eine Stunde (ohne Daumen!) und jeder Finger ist ca. eine viertel Stunde. Wichtig dabei ist, dass der Arm zum Horizont (Kimme bzw. Kimming) gerade ausgestreckt ist, damit das Größenverhältnis stimmt. Übrigens ist dieses Verhältnis nur unwesentlich unterschiedlich bei Menschen verschiedener Statur und damit grundsätzlich sehr praktikabel. Versucht’s mal.

So, könnte nun noch weitergehen, aber jetzt wurde genug genervt mit ein paar Beispielen und Hinweisen, die verdeutlichen, wie komplex Funde in der Archäologie bewertet werden müssen und dass man das nicht „mal eben so“ macht. Zudem sollte entgegen dem streckenweise immer noch vorhandenen und mittlerweile vielfach belächelten „Mainstream“ verdeutlicht werden, dass es sich bei „den Alten“ nicht um kulturlose Schwachköpfe handelte, sondern um bewusst agierende Pragmatiker, die einfach nur überleben wollten. Bei weiterführendem Interesse kann sich jeder selbst schlau machen…​​  ​​​​ Das macht Spaß und schult! Gerald

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