Ripuarier, Rheinfranken oder was denn nun?

Ripuarier, Rheinfranken oder was denn nun?​​ Von Gerald Rohfeld

Bild oben: Niederlothringen, Niederfranken bzw. Ribuarien, Quelle; Wikimedia Commons

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Wenn man sich auf der obigen Karte mal die Lage der Rheinfranken in Germanien anschaut und sie mit denen der Sachsen bzw. Chauken vergleicht, kann man sich schon vorstellen, dass es dort damals häufig zu Grenz- bzw. Völkerverschiebungen kam.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Den Handel und interkulturellen Austausch konnte das aber nicht aufhalten. Das Begehren von Neuem, Schönem und Gewinn waren schon immer grenzüberwindende Phänomene, die nicht nur in Plünderung, Mord und Totschlag und Kriegen mündeten, sondern durchaus auch in freundschaftlichen , völkerverbindenden Kontakten, wie erfreulicherweise immer wieder zu beobachten ist.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Hier mal ein paar Namen, die mir im Zusammenhang mit dem Gebiet aufgefallen sind: Lothringer (Niederlothr.), Niederfranken, Merowinger, Niederländer, Karolinger, Rheinfranken, Westfalen, Ripuarier und einige mehr. Diese Thematik könnte ganze Bände füllen. Mir persönlich hat dies aber einmal mehr verdeutlicht, dass es nie DEN Ripuarier schlechthin gab, weil Völker- bzw. Stammesverschiebungen schon immer stattfanden. Das betrifft aber alle Völker und Stämme, nicht nur Ribu- bzw. Ripuarien

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Als Namensbedeutung ist es mir früher mal so vermittelt worden: „die am River waren“. Das ist für mich eine ganz tolle Eselsbrücke, denn River wäre nicht der Fluss als solches, sondern der Rand dessen, also das Ufer. In einer meiner privaten Ausbildungen ist mich gelehrt worden, dass z. B. das Revier der jagdlichen Ausübung eigentlich ursprünglich der Uferbereich war, weil hier das Leben brummte.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Also ist das Ufer der Flüsse schon immer ein begehrter Siedlungsplatz gewesen. Reichlich Beute, oftmals richtig gute Böden, Trinkwasser (Brunnenbau aus hyg. Gründen auch an Fließgewässern) und ebenso ein leichter zu befahrener Handelsweg ohne ständigen Reibungswiderstand als an Land.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Spannend für uns aus heidnischer Sicht ist auch, dass mit Sicherheit nicht alle Ribuarier schlagartig bis in das Mark hinein christianisiert wurden, denn die hatten ja auch ihre althergebrachten Gewohnheiten. Und die Franken sind ja mal ein zutiefst heidnisch geprägtes Volk gewesen. Das heißt für mich, dass die Menschen vermutlich dies- und jenseits aufdoktrinierter religiöser Grenzen oftmals viel verständnisvoller miteinander umgegangen sein mögen, als die zum Teil aufhetzende „Elite“ dies wollte.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Außerdem empfand ich es als sehr wissenswert, dass Duisburg eigentlich nach dem germ. Gott Tiu benannt wurde. Ob das nun in rheinfränkisch-heidnischer Zeit so war oder die ursprüngliche Namensgebung Diusburg durch die altsächsisch-westfälische Bevölkerung ihren Eintrag fand, ist mir zur Zeit leider nicht bekannt, vielleicht gehe ich dem mal bei Gelegenheit nach. Kann der Leser aber auch gerne selbst tun und die historische Komplexität kennenlernen. Es ist auch in diesem Fall oder besonders auch auf die Ribuarier bezogen mit Sicherheit sehr spannend und vielfältig. Aber bitte nicht über die vielen Gesichtspunkte und Auslegungen wundern – so was liegt nach meiner Beobachtung an der geschichtsforschenden Tagesordnung.

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Bild oben: Rheingrenze mit germ. Stammesangaben zur Orientierung, Quelle: Wikimedia Commons.

 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Ich habe diesen Kurzbeitrag zur groben Verständnisvermittlung als „interessierter Laie“ meinem Gedächtnisprotokoll entnommen und kann nicht für die Richtigkeit der Informationen garantieren. Für diesen Zweck sollte es aber reichhaltig genug sein. War mir aber lieber, als einer der üblichen Copy-Paste-Artikel und zur genaueren Ausarbeitung fehlte mir leider die Zeit. Bei weiterführendem Interesse: bitte selbst schlau machen. Und nicht vergessen: wir waren alle nicht dabei… Gerald

Mittsommer 2020 im Langhus – Nachlese

​​ Mittsommer im Langhus 2020​​ mal etwas anders,​​ von Gerald (einschl. Bilder)

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Schon seit ein paar Wochen lag ein süßlich-schwerer Duft in der Luft, der Geruch nach Mittsommer, nach Freude, nach Feierlichkeiten. Ja, der Holunder blüht an allen Ecken und Enden, auch an unseren Ritualplätzen und verströmt seinen Duft. An den Wegen, auf den Feldern: Mohn, Kamille, Schafgarbe und Johanniskraut, um nur einige Blumen bzw. Kräuter zu nennen.

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Bild oben: Mohn und Kamille am Wegesrand

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Bereits Anfang des Jahres hatte ich damit angefangen, einen neuen Blótplatz anzulegen, der ein wenig näher am Haus war, da ich nach einem folgenschweren Ereignis nicht mehr so beweglich war und mich nur langsam erholte. Glücklicherweise waren wir ritualtechnisch so gut eingespielt und erfahren, dass die Ritualpraxis nicht brachliegen musste. Besonders Patrick hatte sich eingesetzt und die Sache am Laufen gehalten.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Nun kam ich langsam wieder in die Gänge und mochte, da die ritualtechnischen Grundlagen ja schon fast „zementiert“ sind, diese gerne vereinfachen und etwas Wesentliches für jeden einzeln zu Hause anwendbar machen, indem ich eine Weltenbaumreise und deren „technische Grundlagen“ mit einbaute. Zu diesem Zweck hatte ich für jeden einen nach Osten ausgerichteten Haselstecken geschnitten und mit Runen bzw. Symbolen für die Reise, den Schutz und eine sichere Wiederkehr eingeritzt, den alle mit nach Hause nehmen konnten, um ihn dort für die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

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Bild oben links; „Reisestäbe“ zur Unterstützung für eine kosmologische Reise in den Weltenbaum, oben rechts: Coronagerechte Ritualplatzeinrichtung, diesmal mit Sitzplätzen für die Geistreise,​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Nachdem vieles vorbereitet war, trafen wir uns am Samstag, den 20.06. gegen sechs, sieben Uhr abends und richteten noch gemütlich den Rest her, besprachen den Ablauf un9d nach mehreren Ruheeinlagen ging’s bei gutem Tagesrestlicht los.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Nach einer Räucherung und dem Wegespruch (zur Entkoppelung vom Alltag und Einstimmung auf das bevorstehende Ereignis) gingen wir zum Blótplatz, umrundeten ihn im Sonnenlauf (Uhrzeigersinn), kehrten ein und betraten ihn so entgegen dem Sonnenlauf und verteilten uns auf unsere Plätze.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Als erstes wurde der Erde ein Trankopfer dargebracht und dann der Gott Donar um Schutz angerufen. Hiernach entzündeten wir das Feuer und luden die Götter, Ahnen, das kleine Volk und die verschiedenen Kräfte und Mächte ein, gemeinsam mit uns dies Fest zu feiern.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Gemeinsam verzehrten wir nun etwas Ritualgebäck und blóteten unsere Gaben und drei gesegnete Getränke aus jeweils eigenen, kleinen Hörnern, da wir das große Gemeinschaftshorn für das Trankopfer wegen der allgemeinen Corona-Beschränkungen nicht ruhigen Gewissens verwenden wollten.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die Reise in den Weltenbaum wurde mit einstimmenden Übungen begonnen und nahm dann ihren Lauf: Nach einiger Zeit kamen alle „wohlbehalten wieder zurück“ u.-nd das Mittsommerritual wurde dann abgeschlossen.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Dann wurde am Langfeuer gegrillt und gemütlich gegessen

Bild oben: Herunterbrennendes Langfeuer

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Allgemein hatten wir festgestellt, das so ein umfangreiches Thema wie eine solche Weltenbaumreise unter diesen Voraussetzungen einen anderen Rahmen benötigt und zu einem gesonderten Zeitpunkt durchgeführt werden sollte. Das kriegen wir wohl hin…😊

Bild oben: Das Langfeuer am Tag danach. Es war weder das Feuer von Mordor noch eine Feuerbestattung, wie man scherzhafterweise vermutete…

Mittsommer im Langhus 2020

Mittsommer im Langhus am 20.06.2020

Liebe Leute, wir wollen uns am 20.06. um 18.00 Uhr bei mir treffen, um etwa gegen 19.00 Uhr zu beginnen. Diesmal: Kaum Vorbereitung, da wir mittlerweile ja alle genügend Erfahrung im Umgang mit Ritualen haben, ganz kurze Wege und kaum „Brimborium“, was jetzt nicht abwertend gemeint ist, sondern auf eine pragmatische Ritualgestaltung hinweisen soll, die möglichst alle Bedürfnisse berücksichtigt, den Göttern, den Ahnen und allen Kräften Ehre erweist und die Möglichkeit zur selbstbestimmten Erkenntnis und Entwicklung bietet.

Mitbringen: Opfergaben, ggf. Bettzeug, Getränke und Essen (es wird der Grill angeworfen)

Ablauf: Um 19 bis 21 Uhr finden wir uns am neuen Platz ein. Erdopfer, Donaranrufung, Entzünden des Feuers, Einladung der Mächte, Reise in den Weltenbaum, Blóten mit Hornkreisen, Bedanken bei den Mächten und Auflösung des Kreises, Beisammensein beim Feuer, Grillen, Essen und Reflektion des Erlebten.

Chauken, Sachsen oder was denn nun?

Sachsen, Chauken oder was denn nun?​​ Von Gerald Rohfeld

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Die Liste derjenigen Stämme, die in dem Stammesverband der Sachsen (nicht mit den heutigen Sachsen zu verwechseln!) aufgingen, ist ziemlich lang. Hier eine kleine Auswahl: Angrivarier, Avionen, Chauken, Cherusker, Reudinger usw… manchmal vielleicht auch nur Teilstämme. Ich vermute, dass man das gar nicht so 100 %ig sagen kann, da die Quellenlage wie so häufig sehr vage ist.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Und wer hat’s aufgeschrieben und so quasi historisch belegt? Natürlich die überaus schreibtüchtigen Römer. Plinius d. Ä. und Tacitus liefern fast unsere einzigen Schriftquellen zu den damaligen Verhältnissen. Man muss aber deren Erzeugnisse unter Berücksichtigung des persönlichen und politischen Einflusses betrachten, so dass über die Auslegung ihrer Schriften auch nach zwei Jahrtausenden immer noch diskutiert wird.​​ 

 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Um in dieser Angelegenheit einen kleinen Überblick zu geben und allgemein verbreitete Missverständnisse aufzudecken, habe ich diesen Kurzbeitrag geschrieben. Bei tiefergehendem Interesse kann sich jeder selbst belesen. Der Rahmen dieses Beitrags wäre deutlich gesprengt worden, wenn ich die Thematik eingehender beleuchtetund mit epischen Quellenauszügen unterlegt hätte.

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Kerngebiet der Chauken und auch der späteren alten Sachsen liegt im Elbe-Weser-Dreieck mit Überlappungen u. a. bis in die heutigen Niederlande hinein. Es wird vermutet, dass der Name der Sachsen von einem germanischen Stamm von Schleswig-Holstein im Rahmen der üblichen Wanderungs- bzw. Vereinnahmungsbewegungen nach Süden über die Elbe kam.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Diese wohl kriegerische Landnahme war anscheinend sehr erfolgreich, denn viele Stämme wollten offensichtlich an diesem Ruhm teilhaben und schlossen sich in der Folge mit den anderen dort ansässigen Stämmen zu “den Sachsen” zusammen. Allianzen zu schmieden, war sowieso sinnvoll und im Kommen, da man sich anders dem imperialen Streben immer größer werdender Bedrohungen nicht erwehren konnte.​​ 

 ​​ ​​ ​​ ​​​​ Der Name der Sachsen kommt von dem einschneidigen Schwert, dass allgemein als Sax bekannt war und bezeichnet quasi eine “Schwertgenossenschaft”.