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Tota Frisia 2016

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Tota Frisia​​ 2016

Am​​ 16. + 17. Juli 2016​​ fand am Großen Meer, dem größten Binnensee Frieslands, wieder eine länderübergreifende frühmittelalterliche Veranstaltung statt.​​ 

„Tota Frisia“ kann man am besten mit „Ganz Friesland“ übersetzen, denn die Friesen​​ haben ihren Raum vom​​ deutschen Sylt an der dänischen Grenze mit nur wenigen Unterbrechungen bis​​ hin zum niederländischen Westfriesland. Und mittendrin die einzige deutsche Hochseeinsel Helgoland, auf der Helgoländer​​ friesisch gesprochen wird.​​ 

Auf Helgoland (Heiliges Land)​​ tagte​​ in diesem Jahr übrigens auch​​ der interfriesische Rat, der abwechselnd in einem der drei friesischen Landen stattfindet – Westfriesland, Ostfriesland und Nordfriesland​​ ​​ so​​ weit genug zum Verständnis des Namens der Veranstaltung in Südbrookmerland,​​ einer idyllischen Urlaubsgegend​​ dicht an der niederländischen Grenze.

Der VfGH nimmt mit seinem Runenstand als kulturelle Bereicherung teil.

Langhus,​​ ein VfGH-Herd in Norddeutschland, ist mit dem Bremer Arbeitskreis nordische Mythologie vernetzt, welcher gute Kontakte zur frühmittelalterlichen Kampfsportszene und​​ kulturellen/philosophischen Menschen​​ und Gruppierungen​​ hat.​​ Aus diesen Zusammenhängen heraus kam der Gedanke auf, sich an dieser Veranstaltung zu beteiligen. Das Langhus sagte spontan zu.

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Bild oben: v.l.n.r.: Reinhard und Ingmar vor dem Runenstand des „VfGH-Lagers“

Der Runenstand hatte inhaltlich den gleichen Aufbau wie beim Thorsberger Moor Festival (wir berichteten in der letzten Ringhorn-Ausgabe darüber) und wurde sehr gut angenommen. Mit vielen interessierten Menschen wurde​​ über die Entwicklung​​ uralter Zeichen bis hin zu den ersten Schriften und Runen gesprochen. Herleitung​​ der Runen, Anwendungsbeispiele, Auslegungsmöglichkeiten und mythologische/magische Beispiele wurden besprochen und diskutiert.​​ ​​ Vom Organisator der Veranstaltung wurde die Qualität​​ des Standes​​ gelobt​​ und als Bereicherung empfunden. Denn „immer nur Schmiede und Bogenschießen“ wird dem​​ Publikum irgendwann langweilig…

Kampfdarstellung als Publikumsmagnet.

Der​​ bekannte​​ Organisator Michael Tegge lud verschiedene Marktstände, Bands, Darsteller und Kämpfergruppen zu dieser Veranstaltung ein. Neben den gut besuchten Verkaufs- und Ausstellungsständen haben die frühmittelalterlichen Kampfdarbietungen für eine außerordentliche Attraktivität gesorgt. Nicht nur aus Norddeutschland und den Niederlanden sind die Mitwirkenden. Auch aus Thüringen ist die Kampfgemeinschaft Swaiut Toringi angereist, um zum Gelingen des Friesen-Festivals am Großen Meer beizutragen.​​ Nachgespielt wird die historisch belegte Landung der Wikinger am friesischen Strand, der von den wehrhaften Einheimischen zurückgeworfen wird. Wer möchte, gibt auf Youtube​​ 

Tota Frisia 2016“​​ 

ein und​​ kann​​ 5 Minuten​​ hiervon genießen. Die Aufnahmen haben übrigens die Jungs von Swaiut Toringi gemacht und vermitteln einen guten Eindruck hiervon. Das Foto am Anfang dieses Artikel ist​​ die Eingangsszene des Filmchens (Der mit Schild und​​ Helm im Vordergrund bin ich…​​ 

Nicht zur Nachahmung empfohlen.

Das Ganze​​ sieht​​ recht spielerisch aus, ist es aber keineswegs! Die Teilnehmer sind größtenteils über Jahre hinweg trainiert und schaukampferprobt. Wenn man komplett gerüstet ist, trägt man manchmal bis zu dreißig Kilo (Der Helm alleine kann bis zu sechs Kilogramm wiegen) mit sich rum und jede Bewegung kann kampfentscheidend sein. Die Waffen sind alle stumpf und man kann sich höchst unwahrscheinlich gegenseitig erstechen. Ein schwungvolles Kilo mit der stumpfen Schneide auf den Oberarm oder das Schulterblatt hat aber bei nicht optimal ausgerüsteten Mitstreitern auch schon mal den Oberarm oder das Schlüsselbein gebrochen, häufiger aber die Finger…​​ 

Wie gesagt, die „erste Klopperei“ hatte ich mitgemacht. Als mir dann bewusst wurde, dass ich nur mit Schild, Helm und Axt eigentlich fast ungerüstet ins Getümmel zog und die Sicht für die Helmträger stark eingeschränkt ist, habe ich für die nächsten drei Vorstellungen lieber Standdienst gemacht…​​ ​​ Lieber einmal feige, als dem Arbeitgeber erklären, warum man für ein spontanes Hobby 6 Wochen ausfällt. Das kann ggf. erhebliche arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Außerdem wird dabei ordentlich draufgehauen und meistens sieht man vom Gegner nur Schild und Helm. Wenn der Schlag dann aber​​ unvermutet​​ ungeschützte Körperteile trifft, ist das zumindest äußerst schmerzhaft.​​ Selbst bei „Gerüsteten“ sind Verletzungen an der Tagesordnung. Es gab im Lager aber auch die Möglichkeit, ein paar „Pompfen“ im Sandkasten auszuprobieren.​​ Außerdem kann man sich bei den herausragenden Kämpen der Thüringer im Netz unter​​ http://www.swaiut-toringi.de/​​ schlau machen.