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Skadi – Göttin der Jagd

Skadi – Göttin der Jagd

 

Über​​ die im nordgermanischen Bereich überlieferte​​ Göttin​​ Skadi sind schon einige Artikel verfasst worden, obwohl die diesbezügliche Quellenlage äußerst spärlich ist. Denn groß ist der Reiz an einer jagenden weiblichen Gottheit​​ auch​​ in unseren Breiten. Und über die Herleitung ihres Namens wird viel spekuliert.​​ 

Eine Runeninschrift, die sich auf eine jagdliche Szene bezieht,​​ kann eine weitere Bestätigung für den sprachlichen Zusammenhang zwischen dem Namen Skadi und dem Themenkomplex der Jagd sein.

Die Redaktion

 

Skadi – Göttin der Jagd

Von Jörg Gerald Rohfeld

 

Allgemeines zum Thema

 

Der Name der im nordgermanischen überlieferten Göttin Skadi ist auch in Deutschland populär geworden. Ein großes​​ deutsches​​ Skilanglaufereignis wurde nach der Skigöttin benannt​​ und heißt „Skadi-Loppet“. Ein Jagdpatronenhersteller suchte sich ebenfalls ihren Namen als Marke und Firmenbezeichnung aus und so manch eine Tochter wurde von namenssuchenden Eltern auf den Namen der Göttin getauft. Darüber hinaus hören einige „Stubentiger“ auf den Namen Skadi – oder auch nicht, wie Katzen halt so sind…

Die Jagd an sich ist schon ein durchaus polarisierendes Thema.​​ Darüber hinaus​​ üben jagende Frauen auf manchen Betrachter eine besondere Faszination aus. Und die Freiheit und Selbstbestimmung einer Frau ist​​ ja auch​​ nicht in allen Gesellschaften eine Selbstverständlichkeit. Wenn sich dazu noch Wehrhaftigkeit gesellt, ist ein recht eng gesteckter Rahmen schnell gesprengt und wird kritisch beobachtet, besonders wenn eine geschlechterübergreifende Betrachtung stattfindet. Man denke zum Beispiel nur an den heute gebräuchlichen Begriff „Flintenweiber“, der einen gewissen „Geschmack“ hat und hinter dem in meinen Augen eine gewisse Unbehaglichkeit durch Belustigung kaschiert wird. Denn hier wird in eine vermeintliche Männerdomäne eingegriffen, was die männliche Beschützer- und Versorgerrolle scheinbar aushebeln könnte.

Jagende Frauen sind heutzutage tatsächlich in der Minderzahl, aber immer häufiger anzutreffen, was auf ein gewisses Umdenken in der Gesellschaft schließen lässt. Gesellschaftliche​​ und kulturelle Veränderungen hat es ja schon immer gegeben. Und Glaubensansichten sind auch nicht in Stein gemeißelt. Oft verändern sie sich mit den Gesellschaften und so passt sich auch eine Religion immer wieder dem Umfeld an.​​ 

 

Hierzulande hat als​​ katholischer Heiliger St. Hubertus als​​ Jagdpatron Einzug​​ gehalten. In einem patriarchalen Gefüge ist das meines Erachtens auch nicht weiter verwunderlich, da hier​​ wohl​​ eine klassische​​ Rollenverteilung vorgenommen worden sein könnte.​​ Ungebrochen ist aber ein Hang zu weiblichen Jagdgottheiten​​ wie der römischen Diana,​​ um deren Huld oft gebeten wurde und immer noch wird.​​ 

Die Verehrung des Weiblichen ist allgemein tief in der Seele verankert. Wenn man sich die Archetypen des C. G. Jung vor Augen führt, wundert es einen besonders beim starken Geschlecht​​ keineswegs. Denn​​ bei Männern ist ein in aller Regel besonders guter Zugang zur Anima zu verzeichnen und bei Frauen im Gegenzug zum Animus.​​ 

Kein Wunder also, dass der Marienkult so ungebrochen populär ist, wird hier doch der Wunsch nach Mütterlichkeit angereizt. Vielfach ist es ja auch so, dass Göttinnen im Allgemeinen​​ durch Maria in der christlichen Verehrung ausgetauscht wurden, um diese Positionen zu besetzen.​​ An diesen Stellen schrumpften allerdings die anderen weiblichen Leidenschaften wie Lust, Freude, Verzehrung​​ (im Sinne von Einverleibung/Aufnahme)​​ usw.​​ auf Null. Das konnte auch von den anderen Heiligen oder einer Gestalt wie Jesus Christus nicht kompensiert werden. Dabei werden eher andere Assoziationen wachgerufen.

Der Reiz an​​ weiblichen​​ Gottheiten ist in Männern und Frauen aus unterschiedlichen Gründen verankert und viele Beweggründe spielen hierbei ihre jeweils ihre eigene Rolle. Bei Männern ist​​ hierbei​​ sicherlich auch ein sexueller Zusammenhang gegeben. Die Formen der partnerschaftlichen Fiktion sind​​ kulturell unterschiedlich und​​ Jagdgöttinnen gibt es in den Mythologien der Welt reichlich. Die römische Göttin Diana ist hierzulande wohl am bekanntesten und ihr griechisches Pendant heißt Artemis. Etwas wilder und vielleicht auch ursprünglicher/und​​ volkstümlicher sind die Überlieferungen aus anderen Gegenden, wie zum Beispiel der kauskasischen Dali und regional verwandten Göttinnen, deren Einflüsse​​ zum Teil noch aus der Bronzezeit stammen und denen im alten dortigen Volksglauben​​ sogar​​ Liebesbeziehungen zu den Jägern zugeschrieben wurden und sie nach deren Tod auch in ihr Reich holen wollen. Interessant ist in meinen Augen in diesem Zusammenhang der Aspekt einer Totengöttin, was​​ den Stellenwert der​​ Jagd in solchen Kulturen belegt und auch ein Hinweis auf das außerordentlich hohe Alter dieser Überlieferungen​​ sein kann.

Schriftliche Hinweise

Die schriftlichen Belege zu Skadi sind dünn gesät. Nur vereinzelte Hinweise bekommen wir aus der Literatur.​​ So wird zum Beispiel im​​ Hyndlalied. Hier wird erwähnt, dass Skadi die Tochter von Thiazi aus​​ dem Geschlecht der​​ Jöten/Thursen (also der Riesen) ist. An dieser Stelle wird auf eine weiterführende Verwandtschaft hingewiesen, die in meinen Augen nicht ganz eindeutig ist, sich aber auf Gerda (GymirsTochter und Freyrs Gattin) bezieht und der Aurboda,​​ einer​​ weiteren, den Riesen zuzuordnenden Gestalt.

In​​ Grimirslied​​ ist Skadis Wohnstätte beschrieben die​​ Thrymheim​​ heißt. Dort​​ wo​​ der mächtige Jöte​​ Thiazi wohnte, ist​​ nun​​ Skadis​​ alleiniges​​ Domizil;​​ der​​ Tochter des​​ Riesen, der von den Göttern erschlagen wird.

In „Lokis Zankreden​​ gibt Loki seine maßgebliche Beteiligung am Mord an Skadis Vater Thjazzi zu, in dessen Verlauf Skadi​​ ihm Vergeltung ankündigt.​​ Wie es hierzu gekommen ist, wird in der Skaldendichtung beschrieben (Skáldskaparmál):​​ Odin, Hönir und Loki​​ brauchen​​ nämlich auf einer Reise Hilfe beim Braten eines Ochsen, die Ihnen der als Adler gewandete Thiazi zukommen lässt, wenn er denn Ochsenfleisch als Lohn dafür bekäme. Nach getanem Dienst nimmt Thiazi soviel Fleisch, dass es Loki als unverschämt viel vorkommt und ihn erschlagen will, was aber misslingt. Für diesen Mordversuch verlangt Thiazi von Loki die Äpfel der Idun als Ausgleich, sonst würde er ihn zu Tode schleifen. Mit einer List raubt Loki diese Äpfel (die die Götter jung halten) und Idun gleich mit und bringt sie zu Thiazi. Die​​ nun alternden Götter erkennen Loki als Grund hierfür und verlangen Wiederherstellung. Als Falke fliegt Loki zu Thiazi, befreit Idun​​ und kehrt flugs wieder zurück nach Asgard, wo die Götter auf ihn warten. Thiazi verfolgt die beiden in Adlergestalt und wird von den Asen getötet.​​ Als Skadi – auf Rache sinnend – bewaffnet nach Asgard fährt, bieten ihr die Asen​​ Entschädigung an. Sie verlangt einen der Asen als Gatten und dass sie zum Lachen gebracht​​ wird. Die Asen gehen auf den Handel ein und später werden noch Thiazis Augen an den Himmel geworfen, was Odin getan haben und Sterne aus ihnen gemacht haben soll. Die Gattenschau findet unter der Auflage statt, dass Skadi sich nur die Füße der Götter betrachten darf. Sie gedachte sich Balder auszusuchen und traf eine Wahl.​​ 

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Bild Die Wahl der Skadi

Die dazugehörigen Füße gehörten aber Njörd, dem Meeresgott, mit dem sie dann die Ehe einging. Dem Verursacher Loki gelang es schließlich auch, Skadi wieder zum Lachen zu bringen, in dem er eine Schnur um seine Hoden band und das andere Ende um den Bart einer Ziege. Dann begann ein Tauziehen mit Gemecker und Gejammere… das brachte sogar Skadi zum Lachen und der Handel war erfüllt.​​ 

Njörd kommt vom Meer und Skadi aus den Bergen. So wurde beschlossen, dass sie abwechselnd neun Tage an der See in Noatun und neun Tage in Thrymheim lebten (in​​ Grimnirs Lied​​ beschrieben) , denn keiner von beiden wollte auf seine gewohnte Umgebung verzichten und konnte es lange in der Welt des anderen aushalten. Die zutiefst unglückliche Skadi verließ Njörd wieder und ging zurück in ihre gebirgigen Jagdgründe.​​ 

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Bild Sehnsucht der Skadi

An dieser Stelle möchte ich darauf eingehen, dass hin und wieder behauptet wird, Frey und Freya seien Njörds Kinder aus der Beziehung mit Skadi. Diese​​ Annahme​​ würde ich zumindest in Zweifel ziehen, da Frey und Gerda schon in​​ Skadis​​ Genealogie auftauchen, wobei mir nicht ganz klar ist, ob es sich um Verwandtschaft im Sinne von Vorfahren handelt.

In der​​ Ynglinga-Saga​​ wird​​ beschrieben, wie sie sich ihre Schneeschuhe umschnallt, den Bogen überwirft und in die Berge zurückkehrt, von wo sie gekommen ist. Außerdem wird​​ erwähnt, dass Skadi​​ von Odin einige Söhne gebiert, von denen einer ein Vorfahr des Jarl Hakon ist.

Die Skalden Bragi und Eyvindr beschreiben​​ sie​​ in Háleygjatal 4 und Ragnarsdráupa 20 als „Öndurdís“, also als Skigöttin (Diese beiden Quellen werden in dem Zusammenhang oft zitiert, liegen mir aber leider nicht​​ persönlich​​ vor).

Worterklärungen/Etymologie

Einen ganz besonderen Schatz bieten in der Hinsicht Jakob Grimms „Kleinere Schriften, Band 03“. In diesem Werk wird auf viele Geschichtsschreiber verwiesen, die Scadinauia/Skandinavien erwähnen. Hier eine Aufzählung: Plinius – Scandinavia, Mela – scandinovia, Fredegar – Schatanavia, Paulus Diaconus – Scandinavia, langobardisch – Scatenauge (bei Paulus Diaconus allerdings Scandinavia),​​ mhd. – Scandinavia, ags. – Scedenigge, Iordanes – Scanzia, der Bibliothekar Pertz erwähnt Scathia insula, Saxo Grammaticus – Scania, Jakob Grimm vermutet, dass​​ sich​​ das „n“ hinter dem „d“ in einer Verkürzung des Wortes davor​​ gesetzt hat, was in meinen Augen einiges an Missverständnissen hinsichtlich der Deutung aufklären würde (vergl. Dänisch Skaane oder unser deutsch geschriebenes „Schonen“.​​ Bild unten: Plinius der Ältere

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Bild Skandinavien nach Jordanes um 550

Im indoeuropäischen Sprachbereich fand ich ähnliche Worte, die auf einen Zusammenhang mit der Jagd oder auf Skadi übertragbare Attribute gesehen werden können.​​ Hier​​ kann leider nur ein kleiner Auszug (!)​​ dieser Worte​​ wiedergegeben werden: Z. B. der Begriff Skandal, der eigentlich Anstoß, Verführung und im weiteren Sinne auch Ärgernis bedeutet und ein lateinischer Begriff aus der Fallenjagd ist, der​​ den Auslöser einer Falle bezeichnet. Im Griechischen fand ich den Begriff askethes, was „unversehrt“ bedeutet. Im Althochdeutschen​​ bedeutet Scado „Schaden“, im Altsächsischen​​ allerdings „Schatten“. Interessant fand ich hierbei auch den altnordischen Begriff „Skidh“, der für Scheit/Schneeschuh steht, was in meinen Augen aber in keinem direkten wortverwandten Zusammenhang mit der Göttin Skadi steht. Die Häufung der Bezugspunkte zur Schädigung​​ (hier ist nur ein Bruchteil aufgeführt)​​ sind allerdings schon auffällig.

Weitere Hinweise

In Borg auf den Lofoten (Nordnorwegen)​​ wurde an einem Pfosten in einer Blothalle ein rituell eingegrabener Goldgubber gefunden. Auf ihm ist ein göttliches Paar abgebildet, welches die dortige Wissenschaft mit Odin und Skadi bezeichnet. Ich bin selbst dort gewesen und habe mir das​​ Museum angesehen. Es ist einen eigenen Artikel wert – vielleicht in einer der nächsten Ringhorn-Ausgaben…

C:\Users\Jörg\Documents\Heidnisches\Skadi\Odin und Skadi in Borg.jpg

Bild „Odin und Skadi“

 

Ortsnamen wie Skedevi und Skedvi (und vielleicht einige mehr) weisen darauf hin, dass es sich um Kultplätze der Göttin Skadi handeln könnte. Die Endung „vi“​​ bedeutet (wie z. B. ​​ wi​​ oder vé​​ im altsächsischen und isländischen) soviel wie „Weihestätte“ Etwas kompliziert übersetzt also: „Der Skadi geweihte Stätte“.

Nun zu​​ einem in meinen Augen​​ sehr starken Hinweis (um nicht zu behaupten ‚hieb- und stichfesten Beweis‘) darauf, dass „Schädigen“ im waidmännischen Sinne die Ausübung der Jagd als solches meint. Bemerkenswert ist hierbei, dass das Wort in Runen geschrieben wurde und in einem direkten Zusammenhang mit einer jagdlichen Szene steht, die in das gleiche Stück Holz geritzt wurde.

Klaus Düwel beschreibt in seiner dritten Auflage seiner „Runenkunde“ einen „in mehrfacher Hinsicht sensationellen​​ Fund“, der 1994 bei Wremen (Nähe Bremerhaven im Landkreis Cuxhaven an der Unterweser) getätigt wurde.​​ In einem Bootsgrab wurde ein Mann bestattet, der; nach seinen Beigaben bewertet, eine hochgestellte Persönlichkeit gewesen sein muss. Außerdem war er in der römischen Armee in einem höheren Rang, auf was seine Gürtelschnalle hindeutet. Söldnerdienste waren den Germanen in der​​ damaligen Zeit ja nicht fremd. Manch einer verdiente in Roms Heer viel Geld und kehrte als „gemachter Mann“ in die Heimat zurück. So wohl auch diese Person, der unter anderem ein Fußschemel als Beigabe mit in das Bootsgrab gegeben wurde.​​ Und gerade dieser kleine Fußschemel liefert meiner Meinung nach viele wertvolle kulturelle und sprachliche Hinweise.

 

Bild Oberseite Fußschemel

Auf der Oberseite ist der Schemel reich mit Ornamenten verziert. Auf der Unterseite befindet sich eine​​ eingeschnittene​​ Jagdszene, in welcher ein Hirsch von einem Hund​​ gepackt wird und nach der Art der Darstellung wohl zu Tode kommt.​​ Und genau in diesem Zusammenhang ist die Runeninschrift auf der einen Schmalseite des Schemels zu sehen. Sie lautet nach Gelehrtenmeinung:​​ 

(aus urheberrechtlichen Befürchtungen heraus vorsichtshalber gelöscht)

Bild​​ oben: Frontseite des Schemels​​ mit Runeninschrift

„Skamella  ​​ ​​ ​​ ​​​​ Alguskaði“.​​ 

Das heißt übersetzt „Schemel  ​​ ​​ ​​ ​​ ​​​​ Hirsch-Schädigung​​ (oder als Befehlsform:​​ Schädige den Hirsch)“.​​ Das „ð“ entspricht​​ übrigens​​ dem englischen „dh“, wie in „the“ oder​​ „than“ und wird weich ausgesprochen.​​ Dass ein Gegenstand mit seiner Bezeichnung beschriftet wird ist auch nicht ungewöhnlich für diese Zeit. Für uns heutzutage wirkt es dagegen eher befremdlich. Etwa so, als ob jemand sein Messer mit „Messer“ beschriftet oder sein Auto mit „Auto“. Spannend ist jedoch eher das zweite Wort.​​ Hierin steckt der Begriff „alg“, was Hirsch bedeutet (von Elch) und der Begriff „Schädigen“, lt. Düwel​​ „…eine Form des Verbums ‚schaden‘ (germ. Skaðian)…

 

Hier schließt​​ sich nach meiner Ansicht ein spannender Kreis. Die Runeninschrift bezieht sich unmittelbar auf eine Darstellung einer Jagdszene und erklärt damit das Wort Schädigen mit​​ Jagen, also die Schädigung als Jagd bzw. den Schädiger als Jäger.​​ Somit ist jemand, der im damaligen Zusammenhang einen Schaden zufügt in dem Sinn von erlegen, töten. Übertragen auf die Göttin​​ Skaði ist​​ sie also eine Göttin, die jagt und nichts anderes.

Die von manchen bevorzugte Herleitung von „Schatten“ ist nach meinem Dafürhalten​​ bei Weitem​​ nicht​​ zwingend​​ haltbar, obwohl ein lautloses, schattenhaftes Auftreten bei der Jagd oft​​ dienlich ist. Im Norden sind die Schatten aus Sicht eines Mittelmeeranrainers sicherlich länger und​​ Skandinavien als Land der Schatten zu bezeichnen, ist optisch durchaus vertretbar. Sprachlich würde ich aber auch eher zu „Jagd“ neigen, da die Böden in Skandinavien nicht so fruchtbar sind und klimatisch gesehen der Ackerbau eine geringere Rolle spielt, als in südlicheren Gefilden. Nach meinem Kenntnisstand sind die Nordländer aber für ihren Handel bekannt gewesen und Pelze waren eine begehrte Handelsware! Da​​ es nicht ungewöhnlich ist,​​ Landstriche nach ihren Ressourcen zu benennen,​​ liegt „Jagdland“​​ doch ganz nahe.​​ Allerdings erst, wenn man die ältere Bezeichnung aus „Skaði –Schädigen“ heranzieht und so auch eine hohe etymologische Wahrscheinlichkeit hat.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass die Verehrung einer weiblichen Jagdgottheit mit Sicherheit einen großen Reiz hat und zumindest in einer gewissen Gleichberechtigung zu einer männlichen Jagdgottheit stehen sollte. Gerade wenn man die eingangs erwähnten Gesichtspunkte einer ursprünglicheren Jagdgöttin - die sich auf Skadi bezogen nicht eindeutig nachweisen lassen – heranzieht, wächst Skadi in​​ ihren Möglichkeiten der Verehrung.​​ 

So würde es mich nicht wundern, wenn in so manche Jagdwaffe ein „Skadi hilf!“ oder ähnliche Bemerkungen eingraviert werden Und warum sollte nicht der eine Waidmann oder die andere Waidfrau Skadi zu Ehren einen Schluck guten Rotweines verzehren? Es muss ja nicht immer Diana sein…

Quellen:

Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

G. Sophia Vashalomodze: Die Stellung der Frau im alten Georgien

C.G.Jung: Archetypen

Karl Simrock: Die Edda

Wikingermuseum Borg, Lofoten

Klaus Düwel: Runenkunde

Museum Burg Bederkesa

Jakob Grimm: Kleinere Schriften, Band 03

Usw.​​