Das Kreuz mit dem Kreuz

Das Kreuz mit dem Kreuz

Viele Heiden fühlen sich, wie mir vielfach berichtet wurde, unwohl beim Anblick von Kreuzen wegen des ganzen Unheils, das unter dem Banner dieses Symbols in die Welt getragen wurde und wegen der Ablehnung des totalitären christlichen Monotheismus dem Heidentum gegenüber.

Ich finde ja, dass ein entspannterer Umgang mit dem Thema für uns alle heilsamer und angebrachter ist, als einen ähnlichen Fehler zu begehen, wie streng dualisierende Monotheisten  – Schließlich wissen wir doch, dass das Kreuz ein multikulturelles, panglobales Sinnbild ist, welches aufgrund seiner Bedeutung, seines Bekanntheitsgrades und religiösen Wiedererkennungswertes gerne in Machtinsignien und magischen Symbolen verarbeitet wird und dort seine Wirkung hat.

Doch wie kam das Kreuz in die Welt? Nachstehend ein paar Hinweise und meine Auffassungen zu dem Thema:

Abbildung 1 (von Gerald): „Sicht des Menschen auf den Horizont“

Das Radkreuz ist eine der ältesten menschlichen Darstellungen und seit etwa 40.000 Jahren auf der kulturellen Bühne vertreten.

Abbildung 2 (von Gerald): Nummulites perforatus aus dem Moustérien 2,1 cm Aus „Runen – Herkunft und Gebrauch“ (VfGH), S. 5

Die ersten Kreuzdarstellungen sind vom modernen Menschen auf Münzsteinen eingeritzt worden und etwa 40.000 Jahre alt. Der psychologisch-kulturelle Zusammenhang ist von Marie E. P. König in ihrem Werk „Am Anfang der Kultur“ sehr gut beschrieben worden.  Nur so viel an dieser Stelle aus meiner Sicht:  Wenn sich ein Mensch auf seinem Platz auf der Erde umsieht (Abb. 1),  nimmt er den Horizont war,  über den er nicht hinaus blicken kann und als Kreis zeichnet bzw. darstellt.  Das heißt aber m. E. noch längst nicht, dass er die Welt als Scheibe wahrnehmen muss.  Es gibt genügend Hinweise auf ein heliozentrisches Weltbild mit sphäroider Erde,  wie sich durch bloße Beobachtung mit einem wachen Verstand erschließen lässt.

Abb. 3 (von Gerald): „Horizontsicht mit erdfixiertem Sonnenlauf“

Abb. 4, 5 u. 6 (von Gerald)

Abbildung 3 veranschaulicht, welcher Gedankengang nach Naturbeobachtung in den Abbildungen 4 und 5 seinen Niederschlag fand. Denn die ersten Münzsteine bzw. Abbildungen waren lediglich Kreise. Dann wurden sie (Abb. 5) mit einem Querstrich für den Sonnenlauf als Erdprojektion versehen und schlussendlich (Abb.6) mit einer hinzugefügten Achse, um das Weltbild zu komplettieren.

Wo finden wir Kreuzformen in den „, schriftlosenVorzeitkulturen“? Neben den o. erw. Münzsteinen der Altsteinzeit hier einige Beispiele:

 

Radgräber sind seit der Steinzeit in der Bestattungskultur bekannt (auch in Deutschland), viele hiervon sind vierspeichig.

Abb. 7:: Wikipedia „Radgräber“ vom 29.07.2006 , Author J. E. Walkowitz

Abb.8 Schale von Krottorf, Zeichnung von Gerald

Zwischen Magdeburg und dem Harz wurde in Krottorf im zweiten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts eine bronzezeitliche Goldschale gefunden, der vom damals üblichen Sonnenkult zeugt. Auf Abbildung 8 ist die Unterseite der Schale abgebildet.

 

Abb.10 u. 11: petroglyphe Radkreuze, Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/29/Madsebakke_2012-06_01.JPG/800px-Madsebakke_2012-06_01.JPG

 

Auf Bornholm sind die o. a. Radkreuze als bronzezeitliche Petroglyphen zu finden. Auf dem Linken der unten abgebildeten Schilde ist ebenfalls ein Kreuz zu finden. Weiter unten noch ein paar Beispiele…

Abb. 12: Radkreuz auf einem Bronzeschild, dän. Nationalmuseum, Kopenhagen, Bild: Gerald

Abb. 13: Radkreuze der vorgeschichtlichen USA 1024px-Newspaper_Rock_in_Utah, Wikicommons Quelle By Lupe - Own work, CC BY 3.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=7892394, httpscommons.wikimedia.orgwikiNewspaper_Ro

Abb. 14: Bandkeramische Kalenderschale,Neolithikum, Nordböhmen

Abb. 15: Queste vom Questenberg Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54755304 © Vincent Eisfeld / vincent-eisfeld.de, CC BY-SA 4.0,

 

Oft ist das Radkreuz auch auf Wappen zu finden, wie z. B. das Wappen der Gemeinde Langen bei Bremerhaven in der Stadt Geestland im Landkreis Cuxhaven (leider war hier eine Abbildung nicht möglich

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt eines schier unerschöpflichen Themas. Es ließe sich u. a. mit dem Keltenkreuz, dem ägyptischen Anch fortsetzen, dem sehr populären und immer noch vielgenutzten, indianischen  Medizinrad usw…

Abb. 17: Medizinrad, Quelle Wikicommons, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=Medizinrad&title=Special%3ASearch&fulltext=1&ns0=1&ns6=1&ns12=1&ns14=1&ns100=1&ns106=1#/media/File:Medizinrad.jpg

…oder im Mittelpunkt der sogenannten Trojaburgen bzw. Labyrinthe. Hier ein paar Beispiele:

Abb.18: skandinavische Trojaburg Aus Steinen gelegt, Quelle:Wikipedia, http:{{runeberg.org{nfci{0434html

Abb. 19: kretisches“klassisches Labyrinth https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/Labyrinth_2_%28from_Nordisk_familjebok%29.png

Gleichschenkelige, harmonische Kreuze können mit den Jahreszeiten (Kalender) und den Elementen schamanisch genutzt werden, was in Heidenkreisen auch oft getan wird. Beispiel eines gleichschenkeligen Kreuzes:

Abb. 20 :gleichschenkeliges Kreuz, Zeichnung  von Gerald

Abb. 21: “erhöhtes“,  ungleichgewichtiges Kreuz, Zeichnung von Gerald

Was man m. E. ganz gut aus diesen Abbildungen heraus visualisieren kann, ist, dass die ursprünglicheren Kreuzdarstellungen eher gleichschenkelig gewesen sind und schamanisch in kosmologisch-geographischen und zugleich  seelischen Zusammenhängen genutzt wurden. Besonders bei den Trojaburgen wird der interessierte Leser bei eingehender Recherche  deutliche Bezüge zu Mysterienspielen erkennen.

Interessanterweise ist in dem Logo des VfGH ein „verborgenes Kreuz“ vorhanden, wenn man die vier Schalen bzw. Punkte miteinander verbindet, was unbewusst sowieso geschieht. .Diese vier Punkte können die vier Himmelsrichtungen sein oder vier Elemente, die mit diesen durchaus korrespondieren. Ergänzend zur Thematik haben wir nicht auf unsere bewährte Irminsul verzichtet, die den seelisch-kosmologischen Aspekt deutlich macht. Über den spannenden Zusammenhang von den buddhistischen Stupa zur Irminsul erschien vor ein paar Jahren ein interessanter Artikel in der Ringhorn, in welchem das Thema aufgegriffen wurde.

Abbildung 22: VfGH-Logo

Der Leser kann erkennen, dass bei diesem Logo dem Betrachter viele Möglichkeiten und Freiheiten zugleich gegeben wurden.

Aus diesen vielfältigen Betrachtungen heraus lässt sich für uns Polytheisten sagen: Keine Angst vor Kreuzen, sie sind heidnischer, als viele glauben. Es kommt nur darauf an, was man daraus macht

Gerald

 

 

 

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