Thorsberger Moor Festspiele 2016

Planungen für die Thorsberger Moor Festspiele 2016 beginnen!

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Wie wir erfahren haben, werden die Planungen für die dritten internationalen Thorsberger Moor Festspiele bald beginnen – weiterführende Informationen  folgen zeitnah auf dieser Seite. Zum Einlesen in die Thematik habe ich einen Artikel, der vor kurzem in der Ringhorn (Name der Zeitschrift) des Vereins für Germanisches Heidentum erschien, nachstehend eingestellt.

Gerald, 30.01.2015

 

Runenorakel im Thorsberger Moor

Anfang August diesen Jahres war es soweit. Die zweiten Thorsberger Festspiele fanden statt und das wieder mit Beteiligung von ein paar Leuten von uns, die diesmal nicht nur als Statisten am Auszug der Angeln teilnahmen, sondern auch am Lagerleben, um in einem Zelt über Runen aufzuklären und ein Runenorakel anzubieten.
Es ging hier wieder darum, auf die herausragende geschichtliche Bedeutung dieses Ortes hinzuweisen. Schließlich handelt es sich bei dem Thorsberger Moor um eine Kultstätte, die über viele Jahrhunderte wenn nicht sogar Jahrtausende genutzt wurde und das Stammesheiligtum der Angeln war. Der Name „Thorsberger Moor“ und Steinsetzungen weisen daraufhin, daß es bis in die spätheidnische wikingische Zeit hinein sakrale Bedeutung hatte.
Dieser ehemals riesengroße heilige Bereich ist durch Zersiedelung, Entwässerung, Bebauung und Vermüllung der letzten Jahrhunderte und insbesondere der jüngsten Zeit immer weiter entweiht und „kapitalisiert“ worden. Das wäre ungefähr so, als sprengten wir Stonehenge, würden aus dem Kölner Dom eine Müllverbrennungsanlage machen oder aus dem Areal der Pyramiden von Gizeh eine Plattenbausiedlung. Und das alles ohne Rücksicht auf die heilige Bedeutung der Plätze unserer Ahnen.
In diesem Sinne ist ein Museumsverein angetreten, auf diesen Missstand aufmerksam zu machen und durch ein publikumswirksames Auftreten für mittlerweile länderübergreifende Aufmerksamkeit zu sorgen. Daran haben wir uns mit „Herzblut“ und Enthusiasmus beteiligt.
Denn warum kämpfen die indigenen nordamerikanischen Völker für Respektierung ihrer Totenstätten? Wieso treten viele Europäer und mittlerweile auch „Gringos“ für die Erhaltung dieser Plätze ein und räumen neuerdings der einheimischen Bevölkerung wieder Rechte ein, die oberflächlich zum Teil sogar jenseits der Ausnutzung von Bodenschätzen stehen? Warum erforschen und bewahren wir fremde Kulturen so gerne und wissen kaum etwas von der eigenen? – Auch wir haben Wertschätzung unserer eigenen Kultur verdient.
Aus diesen Beweggründen heraus ist diese aufklärende und sogar touristisch wirksame Aktion entstanden, an der wir uns beteiligt haben.
Photo oben: Aufstellung der Schauspieler und Statisten zum „Auszug der Angeln“

In der Darstellung wurden die Hintergründe der Besiedlung Britanniens durch die Angelsachsen schauspielerisch aufgeführt und publikumswirksam in Szene gesetzt. Hauptpersonen waren der legendäre König der Angeln namens Offa, seine Frau Thryd, Hengist und sein Bruder Horsa und zwei germanische Priester, die aus den Runen lasen und auf ein besonderes Opfer hinwiesen, das zu erbringen sei, um das Vorhaben glücken zu lassen. Das endete mit der Versenkung des legendären Schwertes des Königs im Opfermoor, um einen glückhaften Auszug nach Britannien zu gewährleisten. In den vergangenen Ringhorn-Ausgaben wurde ja schon mehrmals über die Thematik berichtet.
Dieses Schauspiel wurde am zweiten Augustwochenende mehrmals aufgeführt und fand bei den Besuchern großen Gefallen – wobei allerdings einmal schlechtes, stürmisches Wetter die Zuschauerreihen etwas lichtete.

Photo oben: Ósk vor dem Zelt des Runenorakels

Nach den jeweiligen Vorstellungen war für die Besucher immer wieder Zeit, sich am Lagerleben zu erfreuen, diverse Speisen und Getränke zu verzehren und sich an den Informationszelten schlau zu machen. So waren Ledermacher vertreten, mehrere Schmieden, die Sugambrer (eine rheinische Germanengruppe aus dem Krefelder Raum), Bogenschützen, römisch-germanische Hilfstruppen usw. Und schließlich wir, die wir auf den „spirituellen Kontext“ hinwiesen.

Photo oben: Gerald erklärt Kindern die Schreibschrift mit Runen

Den Einstieg boten uns die Runen mit ihren mannigfaltigen Bezügen zur heutigen Schrift und bei interessierten Erwachsenen auch die schamanischen Hintergründe. Nach anfänglichen Befremdlichkeiten wurde das Angebot eines Orakels vielfach in Anspruch genommen und wir konnten auf verantwortliche Weise Möglichkeiten für Entscheidungswege der Fragenden aufzeigen. In den allermeisten Fällen hatten wir dabei eine hohe „Trefferquote“ (je nach Offenheit des Ratsuchenden und Schwierigkeitsgrad der Fragestellung).

Photo oben: Hinweisschild auf das Orakel

Eine Zeit lang mussten wir die Leute sogar vertrösten, bis sie endlich an der Reihe waren, um von uns aus den Runen raten zu lassen. Erstaunlicherweise waren bei nicht wenigen Menschen grundlegende und sogar weiterführende Kenntnisse der Runen vorhanden… Die Aufklärungsarbeit der letzen Jahre und Jahrzehnte hat also Wirkung gezeigt und Früchte getragen.
Trotz der energetisch durchaus anstrengenden Arbeit waren die Ergebnisse der veränderten Wahrnehmungsanschauung der Klienten aus unserer Sicht sehr erfolgreich und auch für uns sehr bereichernd.

Natürlich nutzten wir die Gelegenheit, uns mit Besuchern und gerade auch Leuten des Lagers bekanntzumachen und uns gegenseitig aufzuklären. Spinnen, Waffentechnik, Religiosität, Runen und die heidnische Szene im Allgemeinen waren insbesondere an den abendlichen Lagerfeuern die Hauptgesprächsthemen.
Photo oben: Ósk beim Spindeln mit einer „Sugamberin“
Durch internationale Kontakte der Veranstalter wurden im Vorfeld englische Geschichtsvereine, Reenactmentgruppen und Lokalpolitiker auf die Thematik aufmerksam und weitere Zusammenarbeiten wurden geplant. Wie wir in den Gesprächen erfuhren, ist der Umgang mit der eigenen Vergangenheit in England allgemein würdevoller und mit viel größerem Interesse der dortigen einheimischen Bevölkerung fundamentiert. Das hat uns und viele der Veranstalter beschämt und auch ein wenig neidisch gemacht. Hier haben wir in Deutschland wohl Nachholbedarf…
In jedem Fall sind die Gäste aus England in ihrer Angelner Urheimat gut aufgenommen und in Familien vor Ort untergebracht worden. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Einheimischen wurde uns gegenüber sehr gelobt.

Photo oben: Vorstellung der englischen Gruppe

Als der offizielle Teil der Veranstaltung am Sonntag vorüber war, sind die einzelnen Darstellergruppen vom Vorsitzenden des Museumvereins Süderbrarup, Wolfgang Warwel, nochmals gewürdigt und allgemein vorgestellt worden. Auf dem Bild bedankt sich Herr Warwel (rechts) bei einem Teil der englischen Abordnung.
Später löste sich die Veranstaltung Zug um Zug auf und die Teilnehmer bauten ihre Zelte ab. Wir machten uns dann auch auf die Rückreise. Trotz der vielen schönen Erlebnisse war das aber auch ein verdammt anstrengendes Wochenende. Die Vor- und Nachbereitung hatte viel Zeit und auch Geld gekostet und alles war „auf dem letzten Drücker“. Das mal eben so aus dem vollen Galopp der Arbeitswoche durchzuziehen und am Montag wieder arbeiten zu müssen, war sehr kraftraubend.
So stiegen wir dann erschöpft und zufrieden ins Auto und fuhren wieder heim. Auf der Fahrt ließen wir die Veranstaltung noch einmal an unseren geistigen Augen vorüber ziehen und waren der Meinung, dass dort von allen Beteiligten eine wirklich gute Arbeit geleistet wurde. Natürlich gab es auch Dinge zu bemängeln, wie etwa die Wahl der Musik während des Festabends oder zum Beispiel die deutlich spürbaren üblichen Befindlichkeiten zwischen Vereinsmitgliedern. Für dieses Wochenende stand aber die Sache im Vordergrund und die Thorsberger Festspiele wurden zum nunmehr zweiten Mal erfolgreich durchgeführt. Und wie wir gerade vom Veranstalter erfuhren, soll Anfang des nächsten Jahres die Planung für 2016 beginnen…
Wer mag, kann sich unter folgendem Verweis im Netz insbesondere vom Schauspiel einen Eindruck machen, da wir zu dem Zeitpunkt als Statisten natürlich keine Photos machen konnten  : http://www.shz.de/lokales/schleibote/thorsberg-festspiele-die-angeln-entdecken-ihre-geschichte-id7375016.html
Für uns konnten wir verbuchen, dass wir außer netten und guten Kontakten, die wir geknüpft haben auch einiges an Wissen weitervermitteln konnten. Darüber hinaus haben wir für „unsere Sache“ einen guten und seriösen Eindruck hinterlassen, was in meinen Augen sehr wichtig ist. Und vor allen Dingen hatten wir auch viel Spaß dabei!
Gerald

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